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3. Der beste Sinn/ das Fühlen

Kaspar Stieler

Du bist es edles Fühlen du schönster Sinn allein dehm aller Tichter Kielen zu Dienste sollen sein

und ihm ein Lobmahl sezzen das nicht Gewalt noch Zeit noch Unfall kan verlezzen biß nach der Ewigkeit.

Kommt her ihr Weißheit-Gründer ihr Priester der Natur kommt alle Föbus-Kinder wofern ihr nur der Spur

der Wahrheit nachzugehen ein wenig seid gesinnt: so sollt ihr mir gestehen daß fühlen überwindt.

Gesicht die Götter-Gabe so zwar unschäzbar ist bringt manchen zu dem Grabe der sich zusehr vergist

in einer Schönen blikken was ich nicht sehen kan das kan mich nicht bestrikken noch sträfflich reizen an.

Das hören bringt offt Schrekken und schafft Uneinigkeit. Was Musik kan erwekken währt eine kurze Zeit.

Ach! manche wird bethöret wenn sie der Rede Tohn der Junggesellen höret und kömmt in Spott und Hohn.

Geruch ist kaum zunennen sein Tuhn hat schlechten Dank. Die Rosen-wind nicht kennen veriaget kein Gestank.

Ein Mensche kan wol leben und hätt' ihm nimmermehr das Riechen Lust gegeben. Bleibt Schmekken denn die Ehr.

Dem Wollust-vollem Schmekken dem Lufft Fluht Erde dient dem Vogel junge hekken dem Wald und Wiese grünt

umb den der Fischer leget die falschen Reusen ein ists nicht der Beutel feget und heißt uns kranke sein.

In Fühlen nur alleine besteht der Sinnen Grund ohn diesen Leben keine. Aug Ohren Nase Mund

ergreiffen keine Sachen die ihnen gegen stehn. Was alle Sinnen machen muß erst durch den geschehn.

Du aller Sinnen König nimst gar die Seel' auch ein der Leib ist dir zu wenig. bedenkt den Kuß' allein

da das besüßte Rühren der Lippen mehr ergezzt als keiner von den vieren uns in Vergnügung sezzt.

Der Hände drukk das Reiben an unsrer Liebsten Brust und was man nicht darff schreiben die wolbekannte Lust

darum wir alle lieben Guht Leben wagen hin in Kunst und Krieg' uns üben ist mehr als aller Sinn.

Diß ist es Schaz Rosille daß ich so gern an dir des Fühlens Werk erfülle. Vergönn mir für und für

nur diß bey dir zu üben so wil ich nimmermehr Geruch Schmakk Sehen lieben und hassen das Gehör.

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