Honig-reden Zukker-Zeilen Worte voller Lieb' und Gunst Lettern so die kranke Brunst meiner stillen Schmerzen heilen
züge die die Götter führen und mir Geist und Leben rühren. Red-art unverfälschter Treue Sinnen-außspruch Herzens-mund
Schrifft allein uns beyden kund Mahlwerk dessen iede Reye mehr Ergezligkeit kan machen als Apelles Künstler-Sachen.
Ewig muß der sein gepriesen und biß in das ferne Feld wo Diana Feuer hält zu den Engeln hingewiesen
der zu Trost dem treuen Lieben erstlich auff Papier geschrieben. Wenn mir wo das Ohre klunge nu erwehnt sie mein (dacht' ich)
ach! wer weiß wol lächerlich. Wenn der Trauer-vogel sunge der der Sonnen-straal nicht leidet und sich bey den Gräbern weidet.
Das bedeut der Liebsten Sterben. Iezt liegt sie in lezter Noht iezt O weh! ist sie schon todt (rieff ich kläglich) dein Verderben
Schöne soll auch meines werden und entsagte gleich der Erden. Aber wer wird mir beschreiben die gleich ohne Zentner Pein
wenn mich wor ein Traum nahm ein sonderlich wenn nu die Scheiben sich am Himmel heller zeigen und die Dünste reiner steigen.
Wie sie stets in meinen Sinnen so bey Nacht als Tage steht wacht und mit zu Bette geht: So kunt' auch kein Schlaaff zerrinnen
daß ihr Bildnis das so süsse sich nicht um mich merken liesse. Wie nu eine wahre Liebe alles fürchtet scheuet denkkt
so: erschien sie als bekränkkt ging sie traurig sach sie trübe: ward mein ganzer Tag ein stähnen untermischt mit Klag' und Trähnen.
Ließ sie schiessen Freuden-blikke fiel das Wieder-Spiel mir ein. Sie möcht' eines andern sein (meint' ich) stieß sie mich zurükke.
Ja ihr Küssen und umfassen Legt' ich auß auff Zorn und Hassen. Und so ward mir alle Morgen umgetrieben Muht und Geist
was mir diß und das verheist dreute Kummer Zweiffel Sorgen biß der süsse Bohte kahme der mich meiner Müh entnahme.
Da ward ich der Angst entrissen meine Schöne war gesund ach! was täht sie mir nicht kund. doch es ziemt nur uns zuwissen
was sie mit entzükkter Süsse mich verdekket wissen liesse. Wo es wahr ist was man saget daß ein weisses Paar der Schwan'
auff Olympus hoher Bahn vor der Venus Wagen jaget zog die Feder so diß schriebe deren flügeln auß die Liebe.
Amor hat sie selbst geschnitten Venus nacher erst gebraucht und in Nektar eingetaucht und die eine der gedritten
Liebe Freundligkeit und Leben ihrem Kiel' erbeigen geben. Nu du schönste Schrifft der Schönen deine Dinte soll allein
meiner Marter kühlung sein ja des Todes Gifft verhönen: Dich und was die Musen schrieben werd' ich weil ich lebe lieben.
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