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2. Liebe/ der Poeten Wezz-stein

Kaspar Stieler

Warum ich nur von Lieben die Blätter voll geschrieben warum mein Buch verzärtlet lacht: möcht' einer wundernd fragen.

Drüm wil ich selber sagen was mich darzu hat angebracht: Der Feuer-hauch der Musen hat meinen engen Busen

mit solchen Flammen nicht gerührt. Apoll ist hier nicht Meister nicht Pallas so die Geister auff Helikons Gebüsche führt.

Die Lust die Red' und Blikke der Glieder ihr Geschikke und was Rosillen mehr beschönt: Ihr Wesen Kleidung Lachen

Betrübniß Schlaf und Wachen hat mich mit Efeu umgekrönt. Straks bin ich ein Poete wenn ihre Wangen-röhte

im weissem Alabaster blikkt. Wenn in die göldne Seiten wil ihre Kehle streiten so werd' ich auß mir selbst entzükkt.

Ist wo ihr Leib entblösset: so bin ich schon beflösset mit Wasser auß dem Pferde-Guß. Auff ihr Bewegen regen

wächst mir geschwind entgegen ein Buch das Troja trozzen muß. Der mag die Tugend melden und der die alten Helden

auß Teutschland tragen zu Papier der hohe Sachen schreiben: Ich wil die Liebe treiben und wie Rosille mir komt für.

Der Schiffer schwazzt von Stürmen der Krieger praalt von Türmen die er so oft erstiegen hat der Bauer lobt die Felder

der Jäger Wild und Wälder der Reisender so manche Stat: Ich bin ein Jungfer-lieber die Zunge geht mir über

von dehm was auß dem Hertzen quillt. Wer mich hierum wil schelten der fluche den Gewalten die ob uns hat ein Weibes-Bild.

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