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1. Verzweiffelte Liebe

Kaspar Stieler

Hier ist das Herz stoß Morta nach der Linken! Parzen-Heer sezz an die Scheer' indehm die müden Augen sinken:

ist doch schon mein Geist auß der Leten-fluht gespeist. Du süsses Sterben was wirstu mir vor Ruh erwerben!

Acheron! ich wil auff dir darvon: Was hab' ich armer Buhler hie zu hoffen sonst als tausend Todes-Müh.

Denn hat sie sich die Wilde satt gerochen wenn der Todt (die lezte Noht) mein allzu treues Herz zerbrochen:

Stellt das Klagen ein laßt betrübtes Weinen sein! Wer Liebe kennet wie sie das arme Leben brennet

wird mit Lust das Blut auß warmer Brust zusamt dem rohtem Herzen sehn auß deß verliebten Bruders Körper gehn.

Ach! hätte mich der Lebens-Schwestern eine umgebracht die erste Nacht als ich noch ohn Vernunfft und kleine

an der Mutter sog und mein Elend nicht erwog. Ist diß der Frommen daß ich zu Jahren bin gekommen

stets in Pein und unvergnügt zu sein? Ach Liebe! herber Nater-stich! Ach böse Liebe worzu bringstu mich?

Doch wird es ihr noch einst vergolten werden: ist gewiß nur Nemesis allhier und schaut das Tuhn der Erden:

ist nur Venus nicht und ihr Amor ein Gedicht. Gedenke Schöne was ich iezt sterbend dir erwehne

Reu und Schmerz wird einst dein eisern Herz ganz unbarmherzig greiffen an. Denn denke daß du mir es auch getahn.

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