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1. Je schöner/ je härter

Kaspar Stieler

Die Anmuht Schönheit Zierd und Prangen das Purpur-blut der roten Wangen der Augen-blizz der Stirne Glanz das Spiel der ziehenden Gebehrden

der Gang die Tracht sind himlisch ganz und können nicht verschönert werden. So lieblich sahe nie Dione wenn sie auff dem vergöldtem Trohne

in Pafos Tempel Ehr' empfieng! Betracht' ich dein besüßtes Wesen so halt' ich für ein schlechtes Ding was ich von Helenen gelesen.

So kanstu die Vollkommenheiten der Schönheit Schöne selbst bestreiten du ziehest aller Herzen an. Wer dich beschauet sonder brennen

und Liebes-gluht denselben kan man einen Stein nicht Menschen nennen. Wie heuffig aber dich mit Gaben vor andern die Gebuhrt erhaben:

so kärglich ist dir mitgeteilt. Mit-Leiden Trost und ein Gemühte daß eine wunde Seele heilt durch Freundes Zuspruch Gunst und Güte.

Der scharffe Fels der Diamanten reicht seines Leibes rauhe Kanten des Küssers Lippen willig dar. Die Rose von dem warmen Westen

getrieben bükkt sich mit Gefahr zu ihres Dornes wilden ästen. Du harte läst dich nicht erweichen die minste Gegen-gunst zureichen

dehm der in deinen Flammen queelt. Wer dich erblikkt ist ohne Leben ist sonder Geist und wird entseelt und du willst ihm kein Mittel geben.

So meinstu du seyst dir gebohren seyst dir allein zum Zwekk erkohren warum wir auff der Erde seyn. Kein Bild wird darum wol gemahlet

daß man es birget in den Schrein so wird die Arbeit nicht bezahlet. Indehm man dich wie Göttlich preiset Pflicht Ehr' und Demuht dir erweiset:

Sey Schöne drum nicht eben stolz. Die Knie so für Altären liegen pflegt man nicht für ein faules Holz für Götter Freundschafft nur zu biegen.

Die Grausamkeit und süsses lachen wie können die Verwandnüs machen in einem schönem Angesicht'? Entwehn dich Kind der Ernst-gebehrden

so wird der schönen Schönheit Licht noch tausendfach verschönert werden.

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