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1632–1707

1.

Kaspar Stieler

Als ich auf meiner Liebsten Mund (ach sanfte Ruhstat!) brünstig lage und meiner Schmerzen herbe Plage ihr täht' auß ganzem Herzen kund wie Geharnschter Venus wie ich so oft um ihrentwegen Ruh-trost-und Sinnen-ohn gelegen. Mein (sprach sie) Herzgen sage doch:

zu welcher Zeit du bist entbronnen und wodurch du mich lieb gewonnen: Wo ich mich recht entsinne noch hastu auch gar für wenig Wochen

kalt Da ich doch als zum ersten mahl ich dich nur obenhin erblikket durch deine Freyheit blieb bestrikket.

diß war nur meine gröste Qvaal die auch die Götter kan betrüben dich sonder Gegen-Liebe lieben. Gott weiß wie mir zu muhte war

auf die so unverhoffte Frage vermischt von Zorn Verweiß und Klage die meinen Undank machten klar! Die Schaam so ich daher empfunde

nahm Red’ und Antwort meinem Munde. Ich ward verstarret kalt erblaßt wie dem die Seele kaum sich reget: biß auß Erbarmnüß sie beweget

mich in die schlanken Arme fasst’ Ach! da ward mir gemach das Leben Krast Geist und Wärme wieder geben. Jm küssen fing sie an-noch mehr

mich bey der Fakkel-zubeschweeren die unser’ Herzen kan versehren: Sag an (bistu mir gut) wann ehr du angefangen mich zu lieben

und waß darzu dich erst getrieben. Ach Du weist es wie auf jener Fluht von kalter Norden luft gestanden

ich lag in deiner Arme Banden. Wie ich dich von dem Wagen nahm und küßte die gefrorne Wangen: Bald hat mein Herze Gluht gefangen.

Das Feuer so auß Kälte kahm ob meines Lebens Rest zusammen. Nun (sagt sie) hat ein kalter Kuß dich bracht in Feuer Hizz’ und Leiden;

weiß ich daß Kühlung Lust und Freuden ein Warmer dir erwekken muß. Der hat sie mir so viel erteilet

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