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1632–1707

1.

Kaspar Stieler

Daß ich auff deinen Ladungs-Brieff mein Damon nicht bin zu dir kom̃en das schmerzet dich wie ich vernommen: als wen bey unsrer Freundschaft Gründen

und Falschheit womit unter lieff’. Ach! Damon laß den Argwohn sein. Kein Wechsel hat dich je verdrungen. die Rosilis hält mich gezwungen

Sie hält mein Wollen und Verlangen ja meine Seele selbst gefangen. Ich bin nu selber nicht mehr mein. Ich weiß daß dein belobtes Feld

Makarjen auch ist für zu ziehen ich kenne deiner Wiesen blühen die Jäger-lust die Fischereyen den Vogel-fang und was für freuen

mehr dein Robitten in sich hält. Mir klingt der sanffte Drescher-schlag in Ohren noch wenn in dem frühen die Morgen-treume reiner ziehen

ich höre noch der Schaaffe blehen die Dader-Ganß der Hanen krehen wenn sich enttzündt der junge Tag. Mich schmertzt die Hoffart Geitz und Neid

Betrug und List sampt andern Sünden die sich in Städten häuffig finden. Hier herschet Unrecht Trozz un Schande. die Unschuld wohnet auff dem Lande

wie umb Saturnus göldne Zeit. Wie gerne wär’ ich einmahl mein! wie gerne möcht’ ich dich erblikken wie gerne mich bey dir erqwikken!

dein Brot gemengt auß schwartzer Kleyen dein Wasser-trunk als Nektar sein: Wer aber kan die Thrähnen sehn wenn die Rosille mein Verlangen

mir trieffend naß macht Stirn un Wangen wen sie verschweert mit Hand und Munde mir gut zu seyn wenn eine Stunde ich würd’ ab-ihrer Seite-gehn?

Bald bittet sie bald dreuet sie bald hebt sie wieder an zu klagen bald will sie sich mit Feusten schlagen bald blößt sie sterbend ihr Gesichte

und flucht dem strengen Stern-Gerichte Wer kan ertragen so viel Müh? Ich bin kein Stein ich lasse mich auff ihre Klag’ alsdenn erweichen

ich habe Freund dich nicht gesprochen da meinstu denn es sey gebrochen was uns verbindet mich und dich. Ich weiß nicht was für Haltnüß doch

der schmeichlend’ Amor in sich heget. Der Freyheit Paß wird nur verleget ich kan auß seinen Zauber-Ketten mich durch kein einig Mittel retten

Komm Bruder sieh es einst mit an du wirst es selbst mit mir gestehen es sey vergeblich nicht geschehen daß ich zu dir nicht bin gekommen

daß mir die Freyheit sey genommen und daß Rosill’ es hat getahn.

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