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1632–1707

1.

Kaspar Stieler

Laß uns Kind der Jugend brauchen weil uns noch die Schönheit blüht: Wenn die Geister einst verrauchen und die Todten-farb’ umzieht

unser runzlichtes Gesichte: Wer begehrt denn unsern Kuß? Nimm sie an der Rosen Früchte eh ihr Blat verwelken muß.

Ob die Alten murrisch zanken nehmen sie der Freude wahr; muß man drum mit ihnen krankken? Nein ich acht’ es nicht ein Haar.

Sollte der mich Sitten lehren der bereit hat außgelehrt? Denn werd’ ich mich auch bekehren wenn mein Alter sich verkehrt.

Die besüßten Frühlings-tage lauffen flügel-schnelle fort denn so hilft uns keine Klage kein er seufzend Bitte-wort

Was hin ist das bleibet hin. Diß beruht auff einem Blikke daß ich froh und traurig bin. Drum so brauch mein Kind der Zeiten

weil die Zeiten grünend sein. Was uns bleibt sind Traurigkeiten gehn uns diese Zeiten ein. Ey wie plötzlich kömmt die Stunde

daß uns Kloto in der Eil durch des Todes Frevel-Pfeil. So sey mit den Scharlachs-Wangen Schöne ferner nicht zu teur

Linder meiner Qwaal Verlangen Kühl’ ach Wo von den besüssten Fluhten deines Zukker-Mündgens Naß

mir kein Tau ist zuvermuhten werd’ ich noch vor Abends blaß. Gib zwey Küßchen gib mir eines gib mein Schazz mir nur nicht keines

wiltu mich dem Todten-schrein’ auff ein wenigs noch ersparen. Was nuzzt denn ein kalter Kuß wenn ich auff der Leichen-Baaren

deiner Reu erst warten muß?

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