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1898

Spiel im Dämmer

Ernst Stadler

Schon sinkt ein schlaffes Licht durch die Rotunde voll ins Gemach und schwebt um die verblaßten gestickten Bilde und im flimmernden Grunde beben rauschen wie Flut die glimmenden Tasten.

Zu weichem Gleiten lächelndem Verschlingen enttauchen Schatten in umflortem Tanz: Gekränzter Kinder schwaches Frühlingssingen in Wellen hingespült vom scheuen Glanz.

Und dunkler flutend: Schwüle Sommernächte ... In goldnen Gärten weißer Blüten Fall. Fiebernde Hände wühlen im Geflechte traumdunkler Haare ... fern ... die Nachtigall.

Und brennender im dämmerschweren Schweigen wirbeln die Tasten durch den blassen Raum. Und aller Sehnsucht dunkle Wasser steigen und alle süßen Quellen Traum um Traum.

Erloschner Bilder tief gebeugte Garben trunkner Gesichte süß vergilbte Pracht ein Hauch von Veilchen die im Frührot starben dämmernd umströmt vom Glanz der lauen Nacht.

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Spiel im Dämmer · Ernst Stadler · Poetry Cove