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1898

Im Treibhaus

Ernst Stadler

Gefleckte Moose bunte Flechten schwanken um hoher Palmen fächerstarre Fahnen und zwischen glatten Taxusstauden ranken sich bleich und lüstern zitternde Lianen.

Gleich seltnen Faltern schaukeln Orchideen und krause Farren ringeln ihr Gefieder glitzernd von überwachsnen Wänden wehn in Flocken wilde Blütenbüschel nieder.

Und kranke Triebe züngeln auf und leuchten aus jäh gespaltner Kelche wirrem Meer und langsam trägt die laue Luft den feuchten traumschlaffen Duft der Palmen drüberher.

Und schattenhaft beglänzt im weichen gedämpften Feuer strahlt der Raum und ahnend dämmern Bild und Zeichen für seltne Wollust frevlen Traum.

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