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1898

Herbstgang

Ernst Stadler

Und strahlend unter goldnem Baldachin um starre Wipfel funkelnd hingebreitet und Kronen tragend gehn wir hin und flüsternd gleitet

dein süßer Tritt gedämpft im bunten Laub. Aus wilden schwanken lachenden Girlanden rieselt's wie goldner Staub und webt sich fließend ein in den Gewanden

und heftet wie Juwelen schwer sich dir ins Haar und jagt vom Licht gehetzt in grellen Wirbeln vor uns her und sinkt aufstiebend in das wirre Meer

kräuselnder Blätter die vom Abendduft genetzt wie goldgewirkte Teppiche sich spannen ... Nun lischt im fernsten Feld der letzte Laut. Vom Feuer leis umglüht ragen die Tannen.

Ein feiner dünner Nebel staut und schlingt sich bäumend um zermürbte Reiser und irgendwo zerfällt ein irres Rufen. Und deiner Schleppe Goldsaum knistert leiser

und atmend steigen wir auf steilen Stufen. Weit wächst das Land von Schatten feucht umballt. Drohend aus Nebeln reckt sich Baum an Baum. Und schwarz umfängt uns schon der große Wald.

Und dunkel trägt uns schon der große Traum.

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Herbstgang · Ernst Stadler · Poetry Cove