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1898

Fluß im Abend

Ernst Stadler

Der Abend läuft den lauen Fluß hinunter, Gewittersonne übersprengt die Ufersenkung bunter.

Es hat geregnet. Alle Blätter dampfen Feuchte. Die Weidenwildnis streckt mit hellen Tümpeln sich ins witternde Geleuchte.

Weiße Nebel sich ins Abendglänzen schwingen. Unterm seichten Fließen dumpf und schrill die mitgezognen Kiesel klingen.

Die Pappeln stehn im Licht, traumgroße Kerzen dick mit gelbem Honigseim beträuft – Mir ist, als ob mein tiefstes Glück durch grüne Ufer in den brennenden Gewitterabend läuft.

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