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1898

Finale

Ernst Stadler

Wie Siegesjauchzen ist es, das Jahrtausende verrauschend weiterwerfen. Die Berge donnern. An den Eisenklammern

Rüttelt Prometheus, Rüttelt, rüttelt, Sie rucken – springen – Ein Erlösungsschrei

Gellt über die Welten hin. Doch er Schüttelt die Glieder, die lang entwöhnten, Reckt die Arme, die lang gelähmten,

Schreitet hinab, Ein Sturzbach, den der Tauwind losgeküßt – Vom Kaukasus hinab zu seinen Menschen. Festglocken dröhnen,

Sonnentrunkne Reigen Flattern um ihn, dionysisch verschlungen, Weinlaubumkränzt: „Prometheus!

Gott des Lichts! Heil dem Erlösten, der die Welt erlöst!“ An seinen Armen glühn die Eisenstriemen In roten Flammen auf.

Und dann – Plötzlich ist er's nicht mehr: An den Händen klaffen Braune Wundenmale wie von Kreuzesnägeln,

Blutige Schmerzensmale. – Doch aus den Augen bricht ein goldner Strom Von Morgenlicht, Aus tiefen Balduraugen ...

Baldur-Prometheus-Christus – Heiliges Leben In Licht, in Schönheit, Nie sterbender Götterrausch

Glühendster Trunkenheit! ... Nur fühlen, atmen, schwelgen. Seligstes Nirwana und Aus tausend Himmeln tausend Morgensonnen.

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