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1898

Der gelbe Mond

Ernst Stadler

Der lange Tag erlosch im gelben Leuchten des Monds der weich sich zwischen Pappeln hebt indes der Hauch des Weihers der im feuchten Schilfröhricht schläft duftend im Dämmer schwebt.

Ahnten wir wohl als wir im Sonnenbrand auf heißem Feld und scharfen Stoppeln schritten als unsrer Füße Spur im dürren Sand sich purpurn malte wie von blutigen Tritten

ahnten wir als der Liebe Flammen rot in unsern gramzerwühlten Herzen glühten ahnten wir als die heiße Glut verloht daß ihre Asche unsern Abend sollt' behüten

und daß der herbe Tag sterbend in Duft gehüllt vom Hauch des Weihers der im feuchten Schilfröhricht schläft hinlösche in das gelbe Leuchten des Monds der zwischen Pappeln steigt

und still sich füllt?

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Der gelbe Mond · Ernst Stadler · Poetry Cove