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1898

Das Mädchen

Ernst Stadler

Der dumpfen Nächte fieberwaches Schauen wob sie dem Teppich ein mit heißen Händen und sang und spann bis spät ins Abendgrauen. Nun hing er hingespannt von steilen Wänden

mit breiten Borden silbergrünen Säumen und Sternen weiß und wirr gleich Opferbränden goldadrig funkelnd über schwarzen Räumen. Und Nächte fielen. Und mit heißen Wangen

stand sie und sah mit Augen wie aus Träumen wie sich in stummem Tanz die Fäden schlangen seltsam verwirkt zu fließenden Geweben und jäh und rot vom Fackellicht umfangen.

Und wie aus Brunnen sprang entzaubert Leben. Und schauernd sah sie aus verrankten Schlingen im Zwielicht geisternd hohe Schatten schweben und Spiegelschein von fremden großen Dingen.

Und als im Grund der goldne Flaum verglühte und Schmelz und Farben welk und blaß zergingen sank sie und losch wie eine Märzenblüte.

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Das Mädchen · Ernst Stadler · Poetry Cove