Wan morgen röth: die nacht ertödt, Mit ihren gülden stralen, Wach ich zu Gott: zu meinem Gott: Ruff ihm zun offtermahlen.
Ich wach zu Gott: zu dir mein Gott, Mein augen zu dir kehre; Vnd ruff dan frey: mitt mattem schrey: Mich dürst nach dir so sehre.
Ich wein zu dir: Seufftz mit begier O liebster meines hertzen! Mein trewer Gott: ist mir kein spott, Die lieb mich setzt in schmertzen.
Bin matt vnd müd: fast ohn geblüt, All kräfften seind erlegen: Die gantze nacht: hab vil gewacht, Mag kaum die zung bewegen.
Mein hertz von mir: weicht gar zu dir, O Gott mein trost alleine! Seufftz also viel: ohn maß vnd zil, O weh der schwären peine!
Mit starckem brand: ist dir bekandt, Bin ich so gar befangen. O süsses band: laß ab zu handt, Sonst tödt mich groß verlangen.
Drumb Gott nur eyl: dann deine pfeil Mich bringen sonst vmbs leben. Ich sterbe schier: das glaube mir, Groß lieb hat mich vmbgeben.
Wan ich nit bald: bey dir erhalt, Das ich mag dein geniessen, Wird also stracks: wie weiches wachs Mein hertz in mir zerfließen.
Mit warem mund: auß hertzen grund Sprich ich mit trewen worten, Ohn ruh vnd rast: bin ich in last An allen end vnd orthen.
Ich wohne steth: in wüsten öd, Da meint ich ruh zu finden: Nun ist kein land: so vnbekandt, Da nicht die lieb kom hinden.
Wann ich vermein: weit weg zu sein, Gefreyt für ihren pfeilen, Da rüst sie sich: verfolget mich, Vnd wärens tausent meilen.
O Gott vnd Herr: nichts ist so fehr, Da sie nit möge kommen. Kein rast noch ruh: nun finden thu; Lieb hat mich vbernommen.
Wann dein begirt: mein hertz regiert, Für leyd kann ich nit sprechen. Für süsser noth: für süssem todt Mein hertz mögt mir zerbrechen.
Süß ist der Schmertz: gesund das hertz, Für frewd ich muß ermatten. Ja kranck das hertz: herb ist der schmertz; Bey Sonnen-schein ist schatten.
Bald dise stund: bin ich verwund Vnd sinck für todt darnieder: Bald selbe stund: bin ich gesund, Steh auff, vnd lebe wider.
O wunder tunst: O kühle brunst, Wer wolt es ie vermeinen? Das brenn vnd kühl: als ich nun fühl, Die Lieb das marck in beinen?
Die lieb ist fewr: O abentheur! Ist wasser auch imgleichen. Bringt hertzen-leid: bringt hertzen-freid, Muß eins dem andern weichen.
Offt manigfalt: bin ich mißstallt, Werd vmb vnd vmb getrieben. Hett nie gedacht: an solche macht, Als ich fing an zu lieben.
All mein gemüth: all mein geblüt Thut mir für frewden wallen: So nur allein: O Gott, mir dein Gedächtnuß ein kompt fallen.
Dein süsser Nam: dein edler Stamm Verwund mir mein gemüte, Dein angesicht: dein augenlicht Entzünd mir mein geblüte.
Wan ich zu nacht: von dir betracht, Mit lieb vnd last beladen, Mein augen beyd: für frewd vnd leyd, In lauter zähren baden.
O starcke lieb: O Hertzen Dieb, Was wilt mit mir viel pochen? Kann wider dich: doch nichtes ich, Mein Seel hastu durchstochen.
Nimb vollends hin: all meine Sinn, Nimb alles weg zur stunden. Bin lauter dein: vnd gar nit mein, Geb mich gantz vberwunden.
Ach, ach, wie geh: wird mir so weh, Kein verß ich mehr kan dichten. Die sprach besteht: vnd krafft vergeht; Begird mich hin will richten.
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