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1613

Liebgesang der Gesponß Jesu, im anfang der Sommerzeit

Friedrich Spee

Der trübe winter ist fürbey Die Kranich widerkehren; Nun reget sich der Vogel schrey Die Nester sich vermehren:

Laub mit gemach Nun schleicht an tag; Die blümlein sich nun melden. Wie Schlänglein krumb

Gehn lächlend vmb Die bächlein kühl in Wälden. Der brünnlein klar vnd quellen rein Viel hie viel dort erscheinen

All silber-weiße töchterlein Der holen Berg vnd Steinen: In großer meng Sie mit gedreng

Wie pfeil von Felsen ziehlen; Bald rauschens her Nit ohn gepleer Vnd mit den steinlein spielen.

Die jägerin Diana stoltz Auch wald- vnd wasser-Nymphen Nun wider frisch in grünem holtz Gahn spielen schertz- v schimpffen.

Die reine Sonn Schmuckt jhre Cron Den kocher fült mit pfeilen: Ihr beste roß

Läst lauffen loß Auff marmer glatten-meilen. Mit jhr die kühle Sommer-wind All jüngling still von sitten

Im lufft zu spielen seind gesinnt Auff wolcken leicht beritten. Die bäum vnd näst Auch thun das best

Bereichen sich mit schatten; Da sich verhalt Daß Wild im waldt Wans pflegt von hitz ermatten.

Die meng der Vöglein hören last Ihr Schyr- vnd Tyre-Lyre; Da sauset auch so mancher nast Sampt er mit musicire.

Die zweiglein schwanck Zum vogelsang Sich auff sich nider neigen; Auch höret man

Im grünen gahn Spatziren Laut- vnd Geigen. Wo man nur schawt fast alle Welt Zun frewden sich thut rüsten:

Zum schertzen alles ist gestelt Schwebt alles fast in lüften. Nur ich allein Ich leide pein

Ohn end ich werd gequeelet Seit ich mit dir Vnd du mit mir O JEsu dich vermählet.

Nur ich O JESV bin allein Mit stätem leyd vmbgeben; Nur ich muß nur in schmertzen sein Weil nit bey dir mag leben

O stäte klag! O wehrend plag! Wie lang bleib ich gescheiden? Von großem wee

Daß dich nit seh Mir kombt so schwäres leiden. Nichts schmäcket mir auff gãtzer welt Als JESV lieb alleine:

Noch spiel noch schertz mir je gefelt Biß lang nur Er erscheine: Vnd zwar nun frey Mit starckem schrey

Ruff im so manche stunden: Doch nie kein tritt Sich nahet nit; Solt michs nit hart verwunden?

Was nutzet mir dan schöne zeit? Was glantz vnd schein der Soñen? Waß Bäum gar lieblich außgebreit? Waß klang der klaren Bronnen?

Waß Athem lind Der kühlen wind? Waß Bächlein krum geleitet? Waß edler Mey

Waß vogelschrey? Waß Felder grün gespreitet? Waß hilft all frewd all spil vn schertz? All trost vnd lust auff Erden?

Ohn jhn ich bin doch gar in schmertz In leyd vnd in beschwerden. Groß hertzen band Mich tödt zuhandt

Weil JESV dich nit finde; Drumb nur ich wein Vnd heul vnd grein Vnd seufftzer blaß in winde.

Ade du schöne Frühlingszeit Ihr Felder wäld vnd wisen Laub graß vnd blümlein new gekleid Mit süßem taw berisen:

Ihr wässer klar Erd himmel gar Ihr pfeil der gülden Soñen; Nur pein vnd qual

Bey mir zumahl Hat oberhandt gewonnen. Ach JEsu JEsu trewer heldt Wie kränckest mich so sehre!

Bin je doch hart vnd hart gequeelt; Ach nit mich so beschwere. Ja wiltu sehn All pein vnd peen

Im Augenblick vergangen? Mein augen beid Nur führ zur weid Auff dein so schöne wangen.

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