Wan morgenröth sich zieret Mit zartem rosenglantz Vnd sitsam sich verlieret Der nächtlich Sternentantz:
Gleich lüstet mich spatziren In grünen Lorberwald: Alda dan musiciren Die pfeifflein mannigfalt.
Die flügelreiche schaaren Daß Federbürschlein zart In süssem Schlag erfahren Noch kunst noch athem spart:
Mit Schnäblein wolgeschliffen Erklingens wunder fein Vnd frisch in Lüfften schiffen Mit leichten rüderlein.
Der hole Waldt ertönet Ab jhrem kraussen sang: Mit Stauden stoltz gekrönet Die Krussten geben klang:
Die Bächlein krumb geflochten Auch lieblich stimmen ein Von Steinlein angefochten Gar süßlich sausen drein.
Die sanffte Wind in Lufften Auch jhre Flügel schwach An Händen Füß vnd Hüfften Erschüttlen mit gemach:
Da sausen gleich an Bäumen Die lind gerührte Zweig Zur Music sich nit säumen; O wol der süssen streich!
Doch süsser noch erklinget Ein sonders Vögelein So seinen Sang vollbringet Bey Mon- vnd Sonnenschein.
Trutz-Nachtigal mit namen Eß nunmehr wird genant Vnd vielen Wildt- vnd Zahmen Obsieget vnbekandt.
Trutz-Nachtigal mans nennet Ist wund von süssem Pfeil: Die lieb eß lieblich brennet Wird nie der Wunden heil.
Gelt Pomp vnd Pracht auff Erden Lust Frewden eß verspott Vnd achtets für beschwerden Sucht nur den schönen Gott.
Nur klinglets aller Orten Von Gott vnd Gottes Sohn; Vnd nur zun Himmelpforten Verweisets allen thon:
Von Bäum- zun Bäumen springet Durchstreichet Berg vnd Thal Im Feldt vnd Wälden singet Weiß keiner Noten zahl.
Es thut gar manche Fahrten Verwechßlet Ort vnd Lufft: Jetzt findet mans im Garten Betrübt an holer Klufft;
Bald frisch vnd frewdig singlet Zusampt der süßen Lerch Vnd loben Gott vmbzinglet Den Oel- vnd andren Berg.
Auch schwebets auff den Waiden Vnd wil beyn Hirten sein Da Cedron kombt entscheiden Die grüne Wisen rein;
Thut zierlich sammen raffen Die Verßlein in bezwang Vnd setzet sich zum schlaffen Pfeifft manchen Hirtensang.
Auch wider da nit bleibet Sichs hebt in Wind hinein Den lären Lufft zertreibet Mit schwancken Federlein:
Sich setzt an grober Eichen Zur schnöden Schedelstatt; Wil kaum von dannen weichen Wird Creutz noch peinen satt.
Mit jhm wil mich erschwingen Vnd manchem schwebend ob Den Lorber-Crantz ersingen In deutschem Gottes lob.
Dem Leser nicht verdriesse Der zeit vnd Stunden lang: Hoff jhm es noch erspriesse Zu gleichem Either-sang.
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