Skip to content
1613

Die Gesponß Jesu klaget noch ferner jhre lieb

Friedrich Spee

Wan morgenröth Die nacht ertödt Mit jhren gülden stralen Wach ich zu Gott

Zu meinem Gott Ruff jhn zum offtermahlen. Ich wach zu Gott Zu dir mein Gott

Mein Augen zu dir kehre Vnd ruff dan frey Mit mattem schrey Mich dürst nach dir so sehre.

Ich wein zu dir Seufftz mit begier O liebster meines hertzen! Mein trewer Gott

Ist mir kein spott Die lieb mich setzt in schmertzen. Bin matt vnd müd Fast ohn geblüt

Die kräfften seind erlegen: Die gantze nacht Hab viel gewacht Ich kaum die zung mag regen.

Mein hertz von mir Weicht gar zu dir O gott mein trost alleine! Seufftz also viel

Ohn maß vnd ziel O wee der schwären peine! Mit starckem brand Ist dir bekand

Bin ich so gar befangen: O süsses band: Laß ab zuhand Sonst tödt mich groß verlangen.

Drumb Gott nur eil Dan deine pfeil Recht spielen mir zum leben Ich sterbe schir

Daß glaube mir Mit noth ich bin vmbgeben. Wan ich nit bald Bey dir erhalt

Daß deiner mög geniessen Wird also stracks Wie weyches wachß Daß hertz in mir zerfliessen.

Mit wahrem mund Auß hertzen grund Ich sprich mit thewren wohrten Hab ruh noch rast

Ich leb im last Fast aller end vnd orten. Ich wohnet stät In wüsten öd

Da meint ich ruh zu finden; Nun ist kein land So vnbekandt Da nicht die lieb kom hinden.

Wan ich vermein Weit weg zu sein Gefreit für jhren pfeilen; Da rüst sie sich

Verfolget mich Vnd wärens tausent meilen. O, Gott vnd Herr Waß wär so serr

Da sie nit gleich solt kommen? Kein rast noch ruh Nun finden thu Lieb hat mich vbernomen.

Wan dein begird Mein hertz regirt Für leidt kan ich nit sprechen; Für süsser noth

Für süssem todt Daß hertz möcht mir zerbrechen. Süß ist der schmertz Gesund daß hertz

Für frewd ich muß ermatten: Ja kranck daß hertz Herb ist der schmertz Bey Sonnenschein ist schatten.

Bald diese stundt Ich bin verwundt Vnd sinck für todt darnider; Bald selbe stundt

Ich bin gesundt Steh auff vnd lebe wider. O wunder Dunst! O kühle Brunst!

Wer wolt es je vermeinen Daß brenn vnd kühl Alß jetzt ich fühl Die lieb daß marck in beinen.

Die lieb ist fewr O abenthewr! Ist wasser auch im gleichen: Bringt hertzen leid

Bringt hertzen frewd Muß eins dem andern weichen. Offt mannigfalt Ich bin mißstalt

Werd vmb vnd vmb getrieben Hett nie gedacht An solche macht Alß ich fieng an zu lieben.

All mein gemüth All mein geblüt Mir thut für frewden wallen So nur allein

O Gott mir dein Gedächtnüß ein kombt fallen. Dein edler stamm Dein süsser nam

Verwund mir mein gemüthe. Dein angesicht Dein augen-licht Entzünd mir mein geblüte.

Wan ich zu nacht Von dir betracht Mit lieb vnd last beladen; Mein augen beyd

Für frewd vnd leyd In warmen zähren baden. O starcke lieb! O hertzen dieb!

Waß wilt mit mir viel pochen? Vergebens mich Setz wieder dich: Mein Seel hast du durchstochen.

Nim vollends hin All meine sinn; Nim alles weg zur stunden: Bin lauter dein

Vnd gar nit mein; Geb gantz mich vberwunden. Ach ach wie geh Wird mir so weh!

Kan reden mehr noch dichten Die sprach besteht Vnd krafft vergeht Begierd mich hin wil richten.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Die Gesponß Jesu klaget noch ferner jhre lieb · Friedrich Spee · Poetry Cove