Skip to content
1613

Der Euangelisch gute hirt sucht das verlohren Schäfflein

Friedrich Spee

O Schäfflein vnbeschoren Du zartes wüllen Kind: Ach wo dan gehst verlohren Daß dich so gar nit find?

In holen Felß- vnd Klufften Feld Wiesen Berg vnd Thal Auff müden bein- vnd hufften Dich such ich vberall.

Mit seufftzen vngezehlet Ich Lufft vnd Wolcken spalt Daß Leyd mit leyd vermählet Sich mehret hundertfalt:

Die zähr mir han zerschlissen Wol halbe wangen beyd Weil nie von dir mag wissen; Wer jrr-weg dich verleyt.

Vnd ach! was auch muß dencken Der fromme Vatter mein Sich weil so späth last fencken Das wüllen Wiltprat sein?

Daß Thierlein er das eintzig Kurtzumb wil wider han Ob wol noch neun vnd neuntzig Auff grünem wasen gahn.

Wolan wolan dort eben In jenem Bircken-waldt Mich dünckt sichs thut erheben Ey da da lieber halt.

Halt halt ichs muß ertappen Wil sehn mirs nit entspring: Nun soll mirs nicht entschappen Wil wetten mirs geling.

O wee doch meiner lenden! O wee werd schwach vnd kranck! Mich streiffen aller enden Die Bircken-gerten schwanck:

Vnd ach der pein vnd qualen! Daß Thierlein ist entwischt; Mir bleiben allemahlen Das glück vnd spiel vermischt.

Doch dort in jener hecken Da dannoch düncket mich Da bleibets gar bestecken; Dort hör ichs regen sich.

Ja wärlich da da drinnen Da möchts in warheit sein: Wils greiffen da mit sinnen Wil schleichen sanfft hinein.

Ach aber ach mit nichten Ach aber nein ach nein Als vil ichs kan entrichten Ist nit nochs Thierlein mein.

Vergebens nur verletzet Mich hab in dörnen spitz Das haupt mir gar zerfetzet Ist voller fewr vnd hitz.

Ey dorten doch dort oben Auff jener schedel-statt Ein Creutz-baum frisch erhoben Die näst ersträcket hat.

Da düncket mich gar eben Dörffts haben seinen gang Jhm da denck nach zu streben Hoff dort ichs endlich fang.

Doch müd mich auff den beinen Ich mehr mag halten kaum: An dich dan muß ich leinen O starcker Eichen-baum.

Ach Schäfflein außerkohren Ach kämest kämest noch! Mit mir dochs ist verlohren Muß ich wol sterben doch.

Mit armen außgestrecket Wil deiner warten hie; Mirs leben mehr nit schmecket Alweil noch seumest je.

O Vatter dir zun händen Mein Seel von hinnen reist; Zu dir wol muß ich senden Schaw da dan meinen Geist.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
Der Euangelisch gute hirt sucht das verlohren Schäfflein · Friedrich Spee · Poetry Cove