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Andere Ecloga oder Hirten-gespräch, von der gefängnuß Christi vnder der person des hirten Daphnis

Friedrich Spee

Newlich seine Schäfflein weidet Damon sehr berü ibter hirt Ich die Sonn zu weit vermeidet Wurd im nechsten wald verwirrt.

Weil ich jhn doch pfeiffen höret Tratt gerad zum klang hinan Da war alle forcht zerstöret Dan ich kam auff rechte ban.

Damon süß vnd lieblich spielet Damon mir auch wincken thät Mir jhr süsse vers gefielet Euch zu lieb mich hab verspäth.

Vnd weil da nichts war zu finden Da man euch könt schreiben auff Nahm ich eine grüne rinden Zeichnet euch mit dörnen drauff.

Damon spielte nur allarmen Vber seinen mitgespan Der von Lauren ohn erbarmen War gefänglich zogen an.

Daphnis hieß man jhn mit namen War mit reichem sinn geziert; Kam von altem edlen samen War der best vnd schönest Hirt.

Der Hirt Damon spielet. Höret meine Schäfflein höret (Hub er an auff grüner heyd) Daphnis war von lieb bethöret

Liebe führet jhn ins leyd. Mörder nahmen jhn gefangen Als die lieb jhn führet auß; O villeichten muß er hangen!

Ach was gieng e doch von hauß! Hundert Schäfflein jung von jahren Weidet er in stäter hut: Hundert hett er in verwahren

An gestalt vnd wollen gut. Ja nit het ers in verwahren Alle warens eigen sein So sein eigen alle waren

Waren all Crystallen rein. O der schönen silber-schaaren! O der schönen wüllen Rott! Daphnis o laß trawren fahren

Daphnis aller hirten Gott. Dir auch ist der Mon gewichen Dir auch seine Sternen herd Sie sich nie mit dir verglichen

Nie mit deinen Schäfflein werth. Nur ein einigs war entgangen War vom hauffen kommen ab: Bald mit liebe starck befangen

Daphnis griff zu seinem stab. Tag vnd nacht auff grüner heyden Lieff vnd rieff Er Ach vnd Ach Neun vnd neuntzig ließ er weiden

Nur dem einen trachtet nach. Armes Thierlein! O dir armen! Daphnis rieff auff grünem feld: Armes Thierlein! O dir armen!

Daphnis lieff in alle welt. Er es allen thäte klagen Sorget ob es jemand fünd. Er ein jeden thäte fragen

Ob mans jrgend spüren künt. Ohn gesellen ohn geferden Er da lieff in blinder lieb: Dachte keiner ander herden

Förchtet jhnen keiner dieb. Schier ohn sinn vnd ohn gedancken Offt er auch ohn leben schier Geht in wilden wälden wancken

Nur beklagt diß einig thier Thränen jhm heraber weltzen Von beschenckten wangen beyd Er vor ängsten möcht zerschmeltzen

Er sich wend auff alle seit. Jhm die kräfften gar entweichen Er läßt fallen hut vnd stab Vnd geleint an holer Eichen

Offt erwöhlet jhm das grab. Blinde lieb nun mag ich sagen Blinde pfeil vnd bogen blind! Dich ich freilich muß beklagen

Daphnis hoch verliebtes kind: Ach! wie möchtest je doch lieben Nur das einig Schäfflein arm? Wo der ander hauff ist blieben?

Ach vnd ach das Gott erbarm? Ey laß lauffen laß nur lauffen Schaw die sach nit ärger werd Bleibe bey dem grösten hauffen

Schone dein vnd deiner herd. Er doch schleisset seine strassen Merckt nit was man wendet ein: Er das thierlein wil nit lassen

Laufft bey Sonn- vnd Mone-schein. Endtlich stürtzet er in nöthen Fält zur erden aller kranck; Lieb vnd leyden jhn wil tödten

Schencken jhm gar herben tranck. O der wunder falschen thaten! Judas gar ein falscher hirt Jhn alldorten geht verrathen

Er alldort gefangen wirdt. Ach jhr stille fewr vnd flammen Bleicher Mon vnd bleiche Stern Leuchtet her vnd leucht zusammen

Bleiche facklen vnd latern. Leuchtet her dem armen kinde; Leuchtet jhm zur nacht hinauß Daß er weg vnd strassen finde

Ob villeicht er käme drauß. Aber ach! seind schon verrathen Alle winckel weg vnd gaß: Schon die Schergen vnd Soldaten

Schliessen jeden steeg vnd paß. Sie den knaben greiffen binden Wüten wie die Tartar-hund. Jhn in seyl vnd ketten winden

Jhn mit stricken machen wund. Daphnis freundlich in geberden Seufftzet mit gar sanfftem sinn Bald man reisset jhn zur Erden

Tretten fallen vber jhn. O der hart- vnd schwären bürden! Nie doch Daphnis klagen thut: Seyl- vnd ketten schamroth würden

Schamroth auch von frembdē blut. Gnug jhr banden seidt geröthet Euch nit weiter trincket voll; Schier die Rott hett jhn getödtet;

Ach wie blind! wie frech vnd toll! Ach was hüpffen! jauchtzen! juchtzen! Ruffen! schreyen! vber laut Frewdig schwingens arm vnd vchtzen

Fahren schier auß eigner haut. Sie da fechten schlagen balgen Toben ohn verstandt vnd sinn: Je nur pochen creutz vnd galgen

Führen jhn zu schlachten hin. O! wan deiner ich gedencke Daphnis Daphnis viel zu fro i! Satt ich meine wangen träncke;

Ruffend schreyend schaw mich v i. Daphnis Daphnis ich muß trawren: Wo bist hin geführet dan? Wil zerschlagen schloß vnd mawren

So nur solches helffen kan. Cron der hirten außerkohren Daphnis vnser mit-gespan; Dich noch zimblich jung von johren

Gnugsamb niemand loben kan. Daphnis O du zier der felden Daphnis hoch berühmbter knab Dein war alles wild in wälden

Wan die pfeil nur schicktest ab. Deine pfeil von deiner sennen Kaum nur hettest abgesetzt Da war mitten auch im rennen

Schon das lauffend wild verletzt. Du die beste schäfflein hättest Schäfflein wie die schwanen weiß Recht vom rauber du sie rettest

Alle gaben dir den preiß. Du den bären löwen drachen Fertig warest auff der haut Rissest jhnen schlund vnd rachen

Nahmest jhnen allen raub. Wind vnd wetter feld vnd wiesen Freundlich dienten deiner herd; Mon vnd sternen hochgepriesen

Dir auch schienen vnbeschwärt. Doch was wil mich lang verweilen? Waß wil rühmen jenen stand? Weil ja nunmehr gar in eylen

Gar ist alles vmbgewand. Dir nun alle schäfflein greinen Daphnis o du frommes kind! Dich auch alle flüß beweinen

Dich beseufftzen alle wind. Dich auch alle bäum besausen Dich auch schall vnd widerschall: Dir auch meer vnd wällen brausen

Dir auch trawret berg vnd thal. Mir dan solches dazumahlen Damon aller trawrig sang Biß die schöne sonnen-stralen

Sich geneigt zum vndergang. Damon Damon cron der sänger O wie wunder süsse reym! Gern ich wölte bleiben länger

Schaw die nacht mich treibet heim.

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