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1761–1836

Fantasieen

Elise Sommer

Ich saß im milden Schein der Abendröthe An meiner Lieblingsquelle Rand, Und lauschte auf der nahen Hirten Flöte, Gelehnt an schroffe Felsenwand.

Des Mondes Silberstralen bebten Durch dünner Zweige zartes Grün, Des Abends Nebelwolken schwebten, Gleich Sylfen, über Blumen hin.

Hier zirpte einsam noch die kleine Grille Am See, gehüllt in Schilf und Moor, Dort unterbrach die feierliche Stille Ein singend Nachtigallen-Chor.

Von leichtem Mondenschimmer ganz umflossen, Umhaucht von jungem Maiengrün, Mit Apfelblüthen übergossen, Sank ich auf weichen Rasen hin.

Sanft eingewiegt vom flötenden Gesange Der holden Zaub'rin Nachtigall, Vom Tönen ferner Heerden Schellenklange, Vom nahen lauten Wasserfall;

Umflatterten mich rosenfarbne Träume Mit sanfter, magischer Gewalt, Sie malten mir dies Thal voll Blüthenbäume Zu holder Feen Aufenthalt.

Sie gaben mir ein Schloß von Marmorsäulen Mit Seid'- und Gold-durchwirkter Wand, Zum Eigenthum ein Land von tausend Meilen, An meine Brust ein stolzes Band.

„Dies gab ich dir, – rief mit ergrimmtem Blicke, Fortuna, – und dein Auge weint?“ „Ha! rief ich, Täuscherin! zum höchsten Glücke Fehlt mir ein edler, treuer Freund!“

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