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1761–1836

Bei Uebersendung eines Lorbeerzweigs

Elise Sommer

Ich hatt' ein holdes Röschen Für Dich, o Freund! erzogen. Schon schimmerten so röthlich Die zarten seid'nen Blätter

Durch die gesprung'ne Hülle, Und süsser Duft entwehte Dem jüngsten Kinde Florens; Drei kleine Knöspchen drängten

Sich aus dem grünen Laube, Und wanden sich so traulich Um ihre schöne Schwester; Bald rauschten Aeolsflügel

Laut heulend durch den Aether; Es nahte starre Kälte Und zwang die bange Erde In diamantne Fesseln;

Da sank mein holdes Röschen, Und seine zarte Blüthe Verwelkte ungenossen, Sein grünes Laub erstarrte,

Sein milder Duft verwehte, Vergebens bat ich Floren, Ein Kränzchen mir zu schenken. Noch schlummert Lenz und Freude

In Tellus kaltem Schoose. Da naht' ich mich so schüchtern Appollons heil'gem Haine: Den immer grünen Lorbeer

Kann selbst kein Gott vernichten, In ew'ger Jugend-Schöne Umstralet er den Holden. Ein Lorbeer-Reis nur fleht' ich

Vom hohen Dichter-Gotte, Den Sänger zu bekränzen, Dem er so hold gelächelt; Doch zürnend sprach der Hehre:

„Zu lang hast du verweilet! Schon mancher aus dem Chore Der heil'gen Sänger weiht' ihm Des Lorbeerhaines Spende!“

Dies Röschen nur erhascht' ich, Das bring' ich Dir entgegen, Empfang' es nun, o Theurer! Mit einem holden Blicke.

Wenn Phöbus wieder lächelt, Soll ihm die Muse kosen, Bis er, vom heil'gen Pindus Ein Lorbeer-Reis zu brechen,

Der Freundin Deiner Lieder, Für Dich, o Freund, gewähret!

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