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1761–1836

An die Freundschaft

Elise Sommer

Du Tochter des Himmels, aus Eden gesandt, Du führ'st uns am seidenen rosigen Band, Du linderst die Wehen, du scheuchest den Schmerz, Ström'st himmlische Ruhe in's zagende Herz.

Schon stand ich am Abgrund, schon wankt' ich heran, Da faß'test du, himmlische Göttin, mich an! „Was bebst du? was zagst du? komm, gieb mir die Hand, Ich führe dich glücklich in's bessere Land!“

Wohl schwand mir der Abgrund, mein Lichtkreiß ward hell; Ich schöpfte aus deinem allmächtigen Quell: Dahin schwand der Kummer, wie Mißmuth und Graus, Du söhntest mit Menschen und Schicksal mich aus.

Daß nun auch im Sturme mein Haupt sich erhebt, Daß Hoffnung mich golden und lachend umschwebt, Daß Selbstgefühl stolz meine Seele durchdringt, Die Freundschaft zu Freuden und Scherzen mir winkt,

Und daß mich nun wieder die liebe Natur Umarmet auf blühender, lachender Flur, Mir duften die Blüthen, und rieselt der Bach, Mir hallet das Eccho im Felsgeklüft nach,

Mich kühlet der Abend, mit Perlthau bekränzt, Wenn hoch in den Wolken der Liebe Stern glänzt, Mir schimmert im Strale des Mondes so hell Das Silbergestäube im sprudelnden Quell;

Dies dank' ich dir, Freundschaft! dir huld'ge ich laut! Nicht zärtlicher liebt den Verlobten die Braut, Als deine Geweihte dich, Freundschaft, verehrt; Du hast mich die Thoren verachten gelehrt!

Und wenn dann nun einmal mein seliger Geist Voll Jubels die irdische Hülle zerreißt, Dann schwebst du entgegen im Palmenhain mir, Wir lieben uns höher und reiner, als hier!

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