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1761–1836

Abendgefühle

Elise Sommer

In der Wehmuth süßem Schmerz Wall' ich hier alleine, Leise Ahnung hebt mein Herz, In der Dämm'rung Scheine.

Wie die Nacht so traut und schön Ueber Meereswogen, Unter'm Nachtigallgetön, Kommt daher geflogen!

Ernst und düster weih't sie mich Ein zu stiller Trauer, Meine Blicke wölken sich, Und ein leiser Schauer

Weht mich an und preßt mein Herz, Meine Schritte wanken: Von der Erde himmelwärts Fliehen die Gedanken.

Aber, ach! gebunden sind Meines Geistes Schwingen, Wie, gebeugt vom Abendwind, Meine Nelken hingen:

So ist meines Geistes Blick Matt und hingesunken; Nur an künft'ger Welten Glück Hängt er wonnetrunken.

Wenn kein Staub mich mehr umwallt, Ueber Stern' und Sonnen, In der Seel'gen Aufenthalt Einst mein Tag begonnen,

Nimmt mich, wenn mein Lauf vollbracht, Göttliches Erbarmen, Nach durchweinter banger Nacht, Auf mit Mutter-Armen!

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