Wer bauet uns die richtige Bussole Für die Geschichten dieser Zeit? Der Gallier spricht von dem Kapitole, Und an der Newa stirbt der Pohle,
Nachdem der König sich entweiht, Dem Despotie nur noch den Mantel leiht. Der König starb, verkündiget im Fluge Das tausendzüngige Gerücht.
Das Monstrum nährt sich oft nur von Betruge, Verkündigt das Gerücht mit Fuge, Der König starb? Es ist Gedicht! Wie konnt' er das? Der König lebte nicht.
Er hört nur auf zu essen und zu trinken, Und winkt nicht mehr dem Kämmerling, Der biegsam schnell auf das erlauchte Winken Den Sclaven, die zu Boden sinken,
Das Frühstück zu befehlen ging: Wer so nur lebt, der ist ein todtes Ding. Steig an den Sarg des königlichen Todten, Durch ihn gefallne Nation,
Und rufe laut und in den grellsten Noten, Da wo man einst dich feilgebothen, Ein heiliges Threnodion Um seine Gruft, und stirb am letzten Ton.
Er trug sein Bild, es war an ihm das Beste, Einst durch des Welttheils Mummerey. Seht, sein Gesicht trägt noch die Überreste! Er war der Schönste bey dem Feste;
Und in Versaillens Feerey Kam kein Narziß ihm, dem Sarmaten, bey. Sie kannt' ihn schnell in seiner ganzen Stärke, Die ihn mit einem Blick durchsah,
Und nahm ihn fest zu ihrem Augenmerke, Macht' ihn zum Hauptstück ihrer Werke, Semiramis Ruthenia: Sie winkte nur, so stand der König da.
Das Heilkraut stirbt in einem Wald von Lolche; Unglückliches, zerstörtes Reich! Zerrüttung grub an euerm Thron, wie Molche, Und fern und nahe blitzten Dolche,
Sogleich bereit zum Stoß nach euch. Die Newa rauscht, stracks wird das Wahlfeld bleich. Ihr zittertet in Ohnmacht, ihr Despoten, Und stießt verbißne Wuth in Sand;
Ihr bücktet euch, wie euch sich die Heloten, Wenn ihnen Stock und Geißel drohten; Der Sclave hat kein Vaterland: So schwurt ihr Treu in des Adonis Hand.
Der Nachbar sah, was er euch aufgedrungen: Er that mit Klugheit, was er that. Ihr kochtet Grimm, daß ihm der Streich gelungen; Doch Zwietracht zischte von den Zungen,
Und Eigennutz saß in dem Rath, So nah ihr auch des Landes Parze saht. Hätt' euch nur jetzt noch Einigkeit verbunden! Selbst der entartete Piast
Hätt' aus der Nacht, die euer Haupt umwunden, Vielleicht den Faden noch gefunden! Allein nur hassend und gehaßt Sank alles schnell im Druck der Riesenlast.
Der König sprach in schönen leeren Reden, Und Nepotismus war sein Schwert: Und Pöbelgeitz und Schwindel spornte jeden, Den Geist der Nation zu tödten,
Den man so lange schon entehrt. Ein solches Volk war dieses Königs werth. Hätt' ihn die Treu des Dieners nicht gerettet! Die Hand des Schicksals hätte doch
Noch ein Mahl euch vielleicht noch losgekettet Mit seinem Tode, und ihr hättet, Sarmaten, euer fremdes Jochs Vom kühnen Hals gestürzt und lebtet noch.
Das Glück schützt' ihn zum Unglück seines Landes: Und fester zog mit neuer Schmach, Als wäre man zertrümmerten Verstandes, Der Knoten des verhaßten Bandes,
Bis der Orkan mit Schrecken brach: Und nun ward man, doch bald zum Tode, wach. Man kaufte die erbärmlichen Magnaten Mit Schmeicheley und Bändern ein:
Für Mädchen und Batavische Ducaten Wurd' Ehre, Freund und Land verrathen; Und mancher gab, ein Sclav zu seyn, Sein schlechtes Wort für eine Flasche Wein.
Mit Einigkeit, wie selten Fürsten zeigen Als ständ' es alles im Diplom, Harpunte man, und alles mußte schweigen. Wer will Cyklopennacken beugen;
Denn ihre Red' ist Lavastrom! Man nahm und gab vom Schicksal den Prodrom. Der König weint. Die Thränen wären Ehre Hätt' er sie als ein Mann geweint.
Ein König steht nur würdig vor dem Heere, Und wenn auch Tod die Antwort wäre, Spricht er nur dort mit seinem Feind, Was er gerecht und was er menschlich meint.
Noch ein Mahl fuhr der Feuergeist der Väter In die erwachte Nation. Das Volk rief laut durch seine Stellvertreter, Und zeichnete die Missethäter
Zum nahen längst verdienten Lohn, Und sprach berauscht dem Zorn der Feinde Hohn. Noch lächelte die Hoffnung, da der Riese Mit Stambuls Macht des Todes Spiel
Um Schedel warf, als ob zum Paradiese Das neue Vaterland sich schließe: Der Riese stand und Stambul fiel; Und Pohlen that zu wenig und zu viel.
Noch war es Zeit, die Pflichten zu bezahlen, Die längst der König schuldig blieb. Mit welchem Strich soll ich die Scene mahlen, Als ihn zu den Sardanapalen
Des Vaterlandes Engel schrieb, Und weinete, daß er ihn von sich trieb? Der Sybarit hat endlich sich entschlossen, Und ziehet langsam in das Feld;
Die Frauen, die vor ihm in Thränen flossen, Ziehn nach und halten den Genossen. Zwey Stadien, da steht der Held, Bis weinend er in ihre Arme fällt.
Er eilt zurück auf seine Flaumenbetten: Hoch zürnend floh vor ihm der Fluß. Mag, wer nun will, das Vaterland erretten; Der König liegt in Weiberketten.
Laut libellierte der Verdruß; Verachtung war nunmehr sein Morgengruß. Das Gegentheil von Friederich, dem Brennen, Straft ihn des Irrthums der Sarmat.
Verbrechen ists, hier deine Manen nennen, Die sich wie Licht vom Dunkel trennen. Verzeihe, Geist von Wort und That, Du sprachst zu viel, als er den Platz betrat.
Er war so schön, und drehte Antithesen; Sein Leben war nur Zeitvertreib. Es mögen die Gardinenrichter lesen, Ob er bey Weibern Mann gewesen;
Bey Männern war er immer Weib. Nun setze dich, Geschichte, hin und schreib! Schreib, was er that! Er weinte wie ein Knabe, Und sollte handeln wie ein Mann;
Der Adler ward des alten Reichs Rabe, Und sang die Nation zu Grabe, Die noch im Kampf auf Rettung sann: So viel hat er, und das durch Nichts, gethan.
Die Nachwelt schreibt den Männern ihre Nahmen. Sie gibt den Edeln ihren Lohn, Die noch zuletzt zum heilgen Kampfe kamen, Faßt gleich ihr Bild kein goldner Rahmen.
Vor ihnen steht Kosciusko Phocion, Des Vaterlandes letzter Sohn. Wer ein Mahl sinkt, wird immer tiefer sinken, Der Königsschatten wandert noch,
Den Bodensatz der Hefen auszutrinken, Nach seines neuen Herrschers Winken, Bis an die Werkstatt zu dem Joch, Wo mancher Knecht sich zum Tyrannen kroch.
Im schönen Wort erstarben schöne Thaten, Und jeder Keim von Kraft verdarb. Was half es euch, unglückliche Sarmaten, Daß er sich in den fremden Staaten
Den Ruhm der Zungenkunst erwarb? Jetzt weinet ihr, daß er nicht früher starb. Hier sehet her, hier liegt euch ein Exempel, Ihr Yvetoter Königlein!
Ein solcher Schlag entsteht aus solchem Stempel, Und wie der Gott ist, ist der Tempel: Nur Wunder macht aus Wasser Wein. Erst muß der Mann, dann mag der König seyn.
Begleitet ihn zum Styx, ihr seine Scharen, Die seine Schwachheit umgebracht; Er soll mit euch, die alle besser waren, Zu dem Gericht hinüber fahren:
Und Sobiesky's Blick voll Nacht Bring' ihm den Spruch, den dort der Richter macht.
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