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1786

Der Zweifel

Johann Gottfried Seume

Mich däucht, Susanne, deine Tugend War doch wohl nicht so schrecklich auf der Probe, Als man von dir zum übertriebnen Lobe Jetzt unsrer lieben Jugend

Im hohen Ton zu sagen pflegt. Die grämlichen Gesichter fort zu jagen, Die so unüberlegt Sich hin zu dir ans Badeörtchen wagen,

Dann wird man doch wohl nicht Wunder sagen. Wenn aber nun ein junger Mann, So schön wie Kunst ihn bilden kann, Schlank wie die Zeder von dem Libanon,

Im Blicke Geist und Harmonie im Ton, Verführerisch wie Davids Sohn, Dich glühend angebetet hätte, Und, hinter einen Rosenstrauch versteckt,

Die schöne Baderinn entdeckt, Und auf des Lenzes Blumenbette, Dich, halb gekleidet, dann um Gnade Recht rührend angeflehet hätte,

Und zwar allein; Und hätte dann dein weiches Herz Des zauberischen Jünglings Schmerz Mit jedem Pulsschlag heißer mit empfunden,

Und du hättst dann dich losgewunden, Und zwar allein, Und bey dem süßen Flehen Es noch gewagt zu schreyn,

Und zwar allein; Dann möchte noch die Probe gehen.

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Der Zweifel · Johann Gottfried Seume · Poetry Cove