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1821

Des Jägers Gesicht 1 Fußnoten

Gustav Schwab

An einem Winterabend hell Der Ritter jagt im Forste, Er sucht das Reh im braunen Fell, Den Eber mit der Borste;

Umsonst ist Hornruf, Hundsgebell, Jagdmüde dringt er zu dem Quell, Der aus Gestrüppe rauschet. O Wunder dort! die Tannen blühn

Beknospet all mit Rosen; Und eine Jungfrau sieht er glühn, Mit einem Kinde kosen; Der Rasen drunter frühlingsgrün;

Vergessen sind des Jägers Mühn, Er senkt den Speer und staunet. Da füllt sich schnell die ganze Luft Mit weichen Lenzeslüften,

Da mischet sich der Rosenduft Zu andern Blumendüften. Und nieder braus't es zu der Schluft Und senkt sich bis zur Quellenkluft,

Ein goldner Feuerwagen. Und Löw' und Lamm ist das Gespann, Ein Engel fliegt vom Sitze, Hebt Jungfrau, hebet Kind hinan,

Schwingt auf sich gleich dem Blitze; Er zieht beperlte Zügel an, Und lenkt empor zur Himmelsbahn Die raschen Flügelthiere.

Da schüttelt der gestreifte Stamm Von Rosen einen Regen, Der Wagen steiget mit Geflamm Dem Aetherblau entgegen.

Der gelbe Leu, das weiße Lamm, Der Jungfrau Purpur leis verschwamm In sanfter Abendwolke. Der Ritter eine lange Frist

Steht in dem Wald versunken, Sein Auge, farbekrank, vermißt Den Stral, von dem es trunken, Dann wird ihm klar, daß es der Christ

Mit seiner sel'gen Mutter ist, Die ihm im Wald erschienen. Leb' wohl nun, Jagd, leb' wohl nun, Welt! Er baut sich die Kapelle,

Von Rosensträuchen aufgehellt, Von Glaubensträumen helle. So oft des Abends Schleier fällt, Fliegt sein Gebet zum Himmelszelt

In einem Flammenwagen.

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