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1821

Das Neckarthal bei Canstatt

Gustav Schwab

Zarter Ueberflug von Licht, Das aus frühem Nebel bricht! Welch ein Thal aus fernen Landen Ist vor meinem Blick erstanden?

Weiche Hügel hingestreckt, Dicht mit Baum und Strauch gedeckt, Und von Wäldern übersäumet, Drob ein Morgenhimmel träumet.

Reifen mag in Höhn und Schlucht Hier es wohl von Wunderfrucht, Tönen in den Laubgehängen Mag's von fremden Vogelsängen.

Dörfer stehn in halber Nacht – Welch Geschlecht wohl dort erwacht? Du, die Augen aufgeschlagen, Blauer Fluß, woher getragen?

Ueber Wellen ruft dein Steg, Durchs Gesträuche lockt der Weg, Und der Berge graue Kette Birget neue Wunderstätte.

Aber hell ins Thal hinaus Blickt ein heitres Säulenhaus, Lädt zu kühlem Sitz den müden Wandrer ein in diesem Süden.

Ach das Bleiben auf den Höhn, Ach das Ziehen ist so schön! Soll ich wandern, soll ich weilen? Soll ich ruhen, soll ich eilen?

Doch wie wird mir, ist's kein Traum? Bist du's, trauter Früchtebaum? Winkst aus wohlbekannter Laube Du mir, heimatliche Traube?

Nein, es ist kein fernes Thal, Schwaben, Schwaben allzumal! Welch ein herrlich Land mein eigen, Muß mir's erst der Maler zeigen?

Nicht zur duft'gen Ferne hin Strebe, ruheloser Sinn! O wie süß im Nachbarthale Ruhet sich's im Sonnenstrale!

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