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1821

Das Gewitter

Gustav Schwab

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind In dumpfer Stube beisammen sind; Es spielet das Kind, die Mutter sich schmückt, Großmutter spinnet, Urahne gebückt

Sitzt hinter dem Ofen im Pfühl – Wie wehen die Lüfte so schwül! Das Kind spricht: „Morgen ist's Feiertag, Wie will ich spielen im grünen Hag,

Wie will ich springen durch Thal und Höh'n, Wie will ich pflücken viel Blumen schön; Dem Anger, dem bin ich hold!“ – Hört ihr's, wie der Donner grollt?

Die Mutter spricht: „Morgen ist's Feiertag, Da halten wir alle fröhlich Gelag, Ich selber ich rüste mein Feierkleid; Das Leben es hat auch Lust nach Leid,

Dann scheint die Sonne wie Gold!“ – Hört ihr's, wie der Donner grollt? Großmutter spricht: „Morgen ist's Feiertag, Großmutter hat keinen Feiertag,

Sie kochet das Mahl, sie spinnet das Kleid, Das Leben ist Sorg' und viel Arbeit; Wohl dem, der that, was er sollt'!“ – Hört ihr's, wie der Donner grollt?

Urahne spricht: „Morgen ist's Feiertag, Am liebsten morgen ich sterben mag: Ich kann nicht singen und scherzen mehr, Ich kann nicht sorgen und schaffen schwer,

Was thu' ich noch auf der Welt?“ – Seht ihr, wie der Blitz dort fällt? Sie hören's nicht, sie sehen's nicht, Es flammet die Stube wie lauter Licht:

Urahne, Großmutter, Mutter und Kind Vom Stral miteinander getroffen sind, Vier Leben endet ein Schlag – Und morgen ist's Feiertag.

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