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1790

Zwei Urnen12

Christian Friedrich Daniel Schubart

Hier schläft Elisa, Ein Engel in weiblicher Bildung Würtembergs Stolz, Austriens Hoffnung. Bestimmt und werth,

Die erste Krone der Welt zu tragen. Aber ein Bote des Himmels sprach: Gebier die Tochter der Liebe, Dann stirb

Und verkünde den Himmeln Josephs Ankunft. Die neugeborne Tochter der Liebe Lächelte schon das Licht an;

Aber Elisa's Hülle Lag stumm und todt. Die schöne Seele, der Ewigkeit Zögling, Flog in Duft und Schimmer gekleidet

Durch die Himmel der Himmel Und sprach mit Silberlauten: Auch Joseph wird kommen. Da bot ihr ein Seraph eine Krone des Himmels

Strahlender, herrlicher, dauernder, Als die erste Krone der Welt. Der Deutschen großer Cäsar, Joseph der Zweite,

Ruht hier; Doch seine Hülle nur; Sein rastloser Geist Flog wie Aetherstrahl durch die weiten

Räume des Himmels. Die vollendeten guten Herrscherseelen Nickten ihm Beifall „Du wardst auf dem Throne kein Weichling,

Stürme rüttelten dich stark, Standest im Felde der Schlacht dem Donner des Brennus Und der Osmanen felsenstürzendem Angriff; Des Römlings Trotz hast du gebeugt,

Verscheucht die Heuschreckenschwärme Betender Wänste, Hast Germania's Sitt' und Sprache geliebt Deiner Entwürfe scheiterten viele;

Denn ein Mensch warst du, Konntest nicht sprechen wie Gott: Sei Licht – und Licht wird. Doch manche von dir gesäte Eichel

Wird bersten, keimen, aufstreben. Von deinem Sternensitz wirst du, Mit des Pflanzers Wonnen erfüllt, Niederblicken auf der Eiche Wipfel.“

So sprach Rudolph, der Habspurger Ahnherr, Und Theresia kam, umarmte den Sohn; Aber Elise zittert' Ihm entgegen, Nahm ihn bei der Strahlenrechte,

Ging vorwärts und rief durch die Himmel: Da ist Er, Der große Dulder auf dem Throne, Der lauter predigte, als Salomo,

Daß Alles eitel sei; Mein Joseph – da ist Er; Ihr Geister vollendeter Gerechten. Nehmt ihn auf.

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Zwei Urnen12 · Christian Friedrich Daniel Schubart · Poetry Cove