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1775

Yorik

Christian Friedrich Daniel Schubart

Als Yorik starb, da flog Sein Seelchen auf gen Himmel, So leicht, wie ein Seufzerchen Der Liebe himmelan fliegt.

Es standen schon in goldnen Kreisen Die Engelein um ihn herum. Auf ihren Wangen glänzte Des himmlischen Lächelns Morgenroth.

„Komm doch, du sanftes Seelchen du, Erzähl' uns! bringst du gute Botschaft?“ Und Yoriks Seele hauchte: „Ach, Dort unten ließ ich meine Brüder

Im Staub zurück. O säht ihr sie Erziehungslos und ohne Führer In Büschen wandeln, wo die Hyder, Die Sünde zischt. Wie sie sich mühen,

Die Schlange zu zerreißen, Die sie umflicht! Es fällt Der Jugend Blume, ach! vom Sturm gebrochen! Es schlägt der graue Sünder

Verzweiflungsvoll an seinen Schädel, daß es hallt! Und Ate schüttelt Seuch' und Tod herab. Sie röcheln, sehn mit wildverrückten Mienen Gen Himmel. Ach, dann strecken ihre Glieder

Sich fürchterlich dem Tode aus, Die Decke ihres Sarges breitet Graunvolle Nacht und Stille über'n Leichnam. Es poltert hinab der Sarg;

Die Stricke schnellen unter ihm hinweg, Und Schädel und Gebein und Staub Fällt von der Schaufel dumpf hinab.“ Der Freundschaft und der Liebe Thränen

Rieseln in den Sand; hinabgebückt Erschallt der Heulenden entsetzenvolle Klage: „O Vater, Mutter, Bruder, O Freund, Geliebte, gute Nacht!“

Sie aber liegen stumm Und fühllos, wenn der Wurm Zu ihrer Leiche kriecht. Und Yorik schwieg. – Es weinten

Die Engelein; und ihre Thränen fielen Im Morgenduft herab und zitterten Wie Thau auf junge Palmen Und halb offne Veilchen,

Die dem Schoße Des werdenden Frühlings entstiegen.

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