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1765

Theon an Wilhelminen

Christian Friedrich Daniel Schubart

Wilhelmine, o du Holde! Die beim ersten Blick entzückt, Denn mit seinem reinsten Golde Hat der Himmel dich geschmückt.

Höre – nicht mit Liebesklagen Füll' ich dieses Lied dir an; Meine Augen mögen sagen, Was der Mund nicht stammeln kann.

Deiner Schönheit Pfirsichblüthe, Deiner Laune Heiterkeit; Ach, dein Herz voll Himmelsgüte, Das die Unschuld nie entweiht;

Deiner Augen stilles Feuer, Drin der Liebe Schmachten flimmt, Hat, o Traute! meine Leier Heut zu deinem Lob gestimmt.

Alles tönt mir: Wilhelmine! Ueberall seh' ich dein Bild, Wie dir aus verklärter Miene Weiblichzarte Anmuth quillt.

Wilhelmine! hallt's in Lüften, Wilhelmine! seufzt der Bach, In des Mondes Silberdüften Seufzt es meine Seele nach.

Wilhelmine, kann dies Wallen, Kann dies Klopfen meiner Brust, Kann ein Jüngling dir gefallen, Der der Treue sich bewußt?

Ach, so schaue mit den Blicken Deiner Engelhuld auf ihn, Wonnestrahlendes Entzücken Reißt dann seine Seele hin.

O in deinen Armen leben, Wilhelmine, welch ein Glück! Unsichtbare Geister schweben Goldgeschwingt um meinen Blick!

O mit dir! mit dir! – wie helle Wär's in meinem trüben Sinn: Hüpfend, wie die Silberwelle, Tanzte mir dies Leben hin.

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