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1774

Frühlingslied eines Greisen

Christian Friedrich Daniel Schubart

Hier in diesem Paradiese Find ich bald – ach bald mein Grab; Alt bin ich, und meine Füße Stützt schon dieser Dornenstab.

Aus der schönen Welt zu scheiden, Guter Gott, das fällt mir schwer. Zwar erlebt' ich manches Leiden, Aber doch der Freuden mehr.

Athme deine Balsamdüfte Mir zum letztenmal, Natur. Spielt, ihr warmen Frühlingsdüfte, Mit den Silberlocken nur!

Bald werd' ich die grünen Haine Und die Hecken nimmer sehn! Gott vergib mir's, wenn ich weine; Denn die Welt ist gar zu schön.

Nachtigallen im Gesträuche, Lerchen in der blauen Luft, Singt nur, singt mir halben Leiche Todtenlieder in die Gruft.

Doch ich schlafe – Deine Güte Ist's, du guter Frühling, du! Decke mich mit Aepfelblüthe In dem sanften Schlummer zu.

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Frühlingslied eines Greisen · Christian Friedrich Daniel Schubart · Poetry Cove