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1855

6. An Helena

Ludwig Ferdinand Schmid

Es steht ein Pilgersmann am öden Strande Und blickt sehnsüchtig übers weite Meer; Träumt auch sein Herz vom fernen Vaterlande, Sein Herz ist hoffnungsleer.

Er hat geliebt – wie konnt' es anders sein? Er hat geglaubt – will einer ihn verdammen? Er hat verzagt – der Himmel stand in Flammen, Er ist entflohn – er lebt und stirbt allein.

Helena! Wie die Wolken dort zerfließen, So starb der Hoffnung letzter Wahn dahin; Willst du mich noch in deine Arme schließen, Gealtert wie ich bin?

O, für die Qual, die ich geduldig trug, Soll ich dir jetzt ein blödes Lächeln zeigen? Ein einz'ges Wort nach jahrelangem Schweigen, Ein einz'ger Gruß – es ist genug, genug.

Ich frage nicht, ob du mir treu geblieben; Ich kann wohl zweifeln, doch ich zürne nicht; Denn bist du elend, werd' ich ewig lieben Dein trauernd Angesicht;

Und bist du glücklich – darf ich freudig nur In diese Wälder mein Geheimnis bannen. Du aber schlafe unter grünen Tannen, Huldvoll verzeihend den gebrochnen Schwur.

Tochter der Sterne! Holde, totenbleiche, Vergönne mir ein einz'ges, letztes Wort: Für unser kurzes Glück, das schmerzenreiche, Gedenke meiner dort!

Wer weiß, ob wir uns jemals wiedersehn? Ich will mich nicht an Engelsthränen laben; In diesen Blättern ist mein Herz begraben; Helena! Du allein wirst mich verstehn.

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