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1855

5.

Ludwig Ferdinand Schmid

Am Kreuze blutend, frei von jeder Schuld, In tiefster Brust Vergebung und Erbarmen, So schiedest du, mit offnen Bruderarmen, Auf ewig – in verheißungsvoller Huld;

Doch dein Vermächtnis, deines Opfers Lohn, Aus Geistesnacht hat keinen es gerettet. Noch beten, an ein morsches Kreuz gekettet, Die Blinden zu dem toten Menschensohn.

Ach, mir, der ich dein Bild im Herzen trage, Will kein Gebet mehr frommen, wenn ich frage: Der in Gethsemane umsonst geschmachtet, Umsonst geseufzt nach einem Himmelszeichen,

Liegt er vermodert unter Menschenleichen? Hat er als Gott sein Liebeswerk verachtet?

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