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1855

27.

Ludwig Ferdinand Schmid

Tod, der du meine innersten Gedanken Beherrschest, unbezwingbar, unaufhaltsam, Der du mein ganzes Sein durchdringst, gewaltsam Erschütternd meines Wissens enge Schranken,

Ich ringe furchtlos mich zu dir empor, Tod, den ich unsern Friedensspender nenne. Doch, daß die ganze Menschheit dich erkenne, Tritt endlich aus der Dämmerung hervor!

Es werde Tag! Vertrieben sei der Spuk, Verflucht des Aberglaubens freches Spiel! Verwelken mag der Gräber Blumenschmuck; Zu Asche brenne, was dem Nichts verfiel!

Was frommt der Kirche Segen einer Leiche, Die tote Sprache, mit Vergeltung prahlend? Lebendig ist das Wort, das sonnengleiche, In Millionen Herzen widerstrahlend,

Das Wort, das tausendjähr'ge Siegel sprengt, Der echte Glaube, der die Form zertrümmert; Lebendig ist der Tod, der uns bekümmert, Solang das Jenseits unsere Brust beengt.

Was unser ist, was liebend wir umfassen, Verschmelze wieder sich mit der Natur, Und jene Sehnsucht, eine Feuerspur, Ein ausgeprägtes Bild zurückzulassen,

Versinke in dem großen Weltgetriebe. Der Drang des Schaffens, der sich selbst genügt, Die Selbstverläugnung, die uns selten trügt, Das sind die Zeichen wahrer Gottesliebe.

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