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1855

2. Amaryllis

Ludwig Ferdinand Schmid

Gräser blühen und sprießen empor Hier, wo du liegst in dem schwarzen Schrein, Und es ruht auf duftendem Blumenflor Deiner Haare goldener Schein.

Nun, da versiegt meiner Thränen Flut, Zeigen im schimmernden Morgentau Deinen süßen Mund mir des Mohnes Glut, Deine Augen der Veilchen Blau.

Kann die lichte Gestalt, die mich umschwebt, Vergehn als herbstlicher Nebel Raub, Sie, deren Hauch diese Halmen belebt Und der Bäume welkendes Laub?

Holde Geliebte! so lange schon Unter den Veilchen schläfst du allein – Doch durch ihn, den wonnespendenden Mohn, Bist selbst im Grabe du mein.

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