Skip to content
1855

14.

Ludwig Ferdinand Schmid

Wißt ihr, was eines Dichters Brust durchwühlt? Ihn quält das Todesröcheln eines Lammes; Verwandt ist alles ihm, was lebt und fühlt, Und was Gedanken hat, ist seines Stammes.

Er sucht in Freundesherzen seine Wohnung, Beharrlich, trotz der Seltenheit des Fundes, Und mehr als karg gespendete Belohnung Rührt ihn das treue Auge seines Hundes.

Er kann nicht ernten, was er ausgesät; Die Gegenwart belächelt dessen Meinung, Der in so mancher schillernden Erscheinung Nichts achtet als des Todes Majestät;

Heil wünscht er jedem, der mit voller Hand Sich zu den Armen und Verlass'nen wendet, Der seinen Trost aus kühlen Bronnen spendet, Heil dem Propheten in der Sonne Brand!

Nicht jeder Dichter ist ein Quellenfinder; Doch allen schwebt das Wort des Meisters vor: „Unsterbliche heben verlorene Kinder Mit feurigen Armen zum Himmel empor.“

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.
14. · Ludwig Ferdinand Schmid · Poetry Cove