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1855

10.

Ludwig Ferdinand Schmid

Des Dichters Leier mögt ihr gern vergleichen Der Aeols-Harfe, von des Zephyrs Flüstern Geliebkost, die von sehnsuchtsvollen, weichen Accorden sich versteigt zu wilden, düstern,

Zu Friedhofsklagen bei dem Gruß des Windes Und bei dem lautern Murmeln eines Baches. – Gleich solcher Harfe ist des Sonntagskindes, Des Dichterlinges Herz ein eitles, schwaches.

Doch Saiten, die mit brausenden Accorden In wunden Männerherzen wiederklingen, Die selbst in Wintersstürmen nicht zerspringen, Sind nicht an Aeols-Harfen stark geworden.

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