In fernen und gewitterschwangern Tagen Floh durch die Pampa hin ein Reisewagen. Ein Gaucho, auf der Stirn das Todesmal, Ein Häuptling saß darin, ein General,
Quiroga – von der heimatlichen Erde Nur eines fordernd: Pferde, frische Pferde! „Ha, ein Gespann!“ – das war sein steter Ruf – „Mein Schicksal hängt an eines Rosses Huf.“
Sein blutgetränktes Banner war zerrissen; Doch durch die Wildnis trieb ihn sein Gewissen. Er mußte sterben – und umsonst gewarnt Kam er von Córdova, verfolgt, umgarnt.
„Fort, fort!“ – Ein Dämon spornte seine Flanken; Nach Buenos-Ayres flogen die Gedanken Dem Feinde zu, den die Geschichte kennt – Santos Peréz war dessen Instrument.
Ein Sohn der Pampa, grimmig, racheschnaubend, Dabei an eine hohe Sendung glaubend; Durchtobt von zügelloser Leidenschaft, Und doch – ein junger Baum voll edler Kraft.
Beritten hält er dort mit Kameraden Im Busche, die Pistolen scharf geladen. Quiroga naht – Galopp und Peitschenknall Verkünden ihn. – Vorwärts! – Ein Schuß – ein Fall – –
Durchs Auge ist die Kugel ihm geflogen, Die schwarze That, der grause Mord vollzogen. „Jetzt“, ruft Peréz, „das andre abgethan: Begleiter, Diener – alle müssen dran;
Die Messer her, die Hälse abgeschnitten!“ Da kommt er auf den einen losgeschritten Und fragt: „Wer ist der kleine Postillon Dort auf dem Schimmel?“ – „Meiner Schwester Sohn,“
Antwortet jener; „o es wäre schade Für diesen Jungen; Gnade, Señor, Gnade –!“ „Was Gnade!“ rast der Mörder; „er wie du! – Blut fordert Blut.“ Ein Fluch – dann stößt er zu.
Und von dem Leichnam wieder aufgesprungen, Faßt er am Fuß den armen Gauchojungen. Ein Knabe ist's – acht Jahre oder zehn –, Die Mutter hat ihn ungern ziehen sehn.
Er aber, um den Onkel zu begleiten, Um einmal recht nach Herzenslust zu reiten, Bat lange, lange – und sie ließ ihn ziehn. Jetzt ist's zu spät, zu ihr zurückzufliehn.
Wohl greift er krampfhaft in des Schimmels Mähne; Umsonst – zu Boden reißt ihn die Hyäne. Er fällt – des Henkers Messer ist gezückt, Und auf des Kindes Brust sein Knie gedrückt.
Der Knabe windet sich in Todesschrecken; Die Thränen, ach, die sein Gesicht bedecken, Der Schweiß, der seine blonden Locken näßt, Die Angst, die keine Worte finden läßt,
Des Kindes Wimmern, seiner Schwäche Zeichen – Nichts kann des Ungeheuers Herz erweichen, In seine Seele fällt kein Sonnenstrahl – Und in die Gurgel bohrt er ihm den Stahl.
Er läßt die Leiche unbegraben liegen, Und sprengt davon – die Toten sind verschwiegen.
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