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1855

1.

Ludwig Ferdinand Schmid

Mancher, der die See gepriesen, Sah sie nur vom sichern Strand; Nichts als seinen Unverstand Hat ein solcher Mann bewiesen.

Freilich gab es jederzeit Leute, die sich selbst betrogen, Doch beherrscht von Wind und Wogen, Glaubt man an die Wirklichkeit.

Wer da schwärmt für weite Reisen, Komme auf die salz'ge Flut, Zeige seinen Seemannsmut, Sehe selbst, ob sie zu preisen,

Die sich wie geschmolznes Blei Gegen unsrer Barke Flanken Jetzt empört – verdammtes Schwanken! – Ob die See zu loben sei.

Jedem Schiff, bei solchem Drängen, Geht zuletzt der Atem aus; Heute läßt die Fledermaus Kraftlos ihre Flügel hängen;

Täglich Aerger und Verdruß, Und von menschlichen Gebrechen, Von so vielem nicht zu sprechen, Was man sonst ertragen muß.

Setzt man hungrig sich zu Tische, – Manches könnte besser sein, Selten ist die Nahrung fein, Noch das Fleisch von erster Frische –,

Ei, das tänzelt hin und her: Teller, Gläser, Löffel, Messer, Und dem unbefangnen Esser Wird die Arbeit doppelt schwer.

Liegt man still in seiner Kammer, – Die Matratzen sind nicht weich – Und versucht zu schlummern, gleich Statt des Schlafs kommt neuer Jammer,

Weil auf eines Schiffes Deck Ohne Schreien und Gepolter Nichts gedeiht – und keine Folter Bringt geschwinder uns vom Fleck.

Zahllos sind des Meeres Launen; Was die Jugend nicht geglaubt, Der Erfahrung sei's erlaubt, Leser, dir ins Ohr zu raunen:

Nähre du am sichern Strand Dein poetisches Entzücken; Auf des Meeres breitem Rücken Hat es leider nicht Bestand.

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