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1800

Freiheit

Friedrich Schlegel

Freiheit, so die Flügel Schwingt zur Felsenkluft, Wenn um grüne Hügel Weht des Frühlings Luft;

Sprich aus dem Gesange, Rausch' in deutschem Klange, Atme Waldes Duft! Was mit Lust und Beben

In die Seele bricht, Dies geheime Leben, Ist es Freiheit nicht? Diese Wunderfülle,

Die in Liebeshülle An die Sinne spricht? Frei sich regt und froher Ahndung in der Brust,

Und des Waldes hoher Geist wird uns bewußt. Linde Blütenwellen Schlagen an und schwellen

Höher stets die Lust. Höher noch entzündet Flammt der Geist empor, Wessen Herz verbündet,

Sich den Freund erkor. Für die Freiheit sterben Sah man, Ruhm erwerben Oft der Freunde Chor.

Brüderlich verbunden Für der Ehre Wort, Reißt in Todes Wunden Sturm die Edlen fort.

Auf in Ruhmes Flammen Schlägt ihr Herz zusammen Zu der Sonne dort. Ach dem Vaterlande

Wird der Geist nie fern, Ehrt in treuem Bande Es als seinen Herrn. Kühnen Stolzes schlagen

Freie Herzen, wagen Dafür alles gern. Wo nach altem Rechte Fromme Sitte gilt,

Da sind edle Mächte Noch der Freiheit Schild. Jeder stark alleine, Stärker im Vereine,

Ist des Ganzen Bild. Doch die höchste Liebe Nimmt wohl andern Lauf; Daß ihr eines bliebe,

Gibt sie alles auf. Irdisch hier in Tränen Steigt ihr sanftes Sehnen Dann zum Licht hinauf.

Jeder mag es finden, Wer in sich versenkt, Wie ihn Leiden binden, An den Himmel denkt.

Ledig aller Sorgen, Ist der ew'ge Morgen Seinem Geist geschenkt. Eins sind diese dreie,

Eine Freiheit ganz; Einer Sehnsucht Weihe Flicht zu einem Kranz Frühlings Waldesblühen,

Heldenherzens Glühen, Und des Himmels Glanz. Freiheit, ja ich fühle Deine Liebesglut;

Du bist der Gefühle Herz und Lebensblut! Sprich aus dem Gesange Rausch' in Adlers Klange,

Atme deutschen Mut.

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