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1800

Dreizehnte Romanze

Friedrich Schlegel

Fackeln irrten, Feuer brannten In dem Walde um den Toten, Weiße Zelte in dem Grünen All der Leid- und Kriegsgenossen.

Balsam, Aloe und Myrrhen Muß die heil'gen Dienste zollen, Um den Leichnam zu erhalten, Bis er zu der Heimat komme.

Klaggesänge und Gebete Steigen, feierlichen Tones, Durch die Nacht in dunkler Stunde, Bis zu Gottes hohem Throne.

Und nun ward ein Suchen, Tragen, Als der Gottesdienst vollzogen, Bei des Frührots Morgenscheine, Jeder für die Seinen sorgend;

Ein'ge führen sie auf Bahren, Aus des Waldes Grün geflochten, Tragend andre auf den Schultern, Sorgsam andre auf den Rossen,

Hier den Leichnam balsamierend, Dort in neue Klag' ergossen, Andre lebend noch Verwund'te, Tragen sie mit Sorge schonend.

Doch des sel'gen Rolands Leiche, Trägt auf Teppichen von Golde, Eingehüllt im Fürstenmantel, Dort ein Maultierpaar erhoben,

Schmuckvoll in des Zuges Mitte. Bis nach Blavas hohem Schlosse Hieß ihn Kaiser Karol tragen, Dort zu Sankt Romanus Dome,

Den er selber hat gestiftet Und den stolzen Bau erhoben. Da ward ehrenvoll die Leiche, Mit dem elfenbeinern Horne

Zu den Füßen, und dem Schwerte Ruhend an dem Haupt des Toten, In die tiefe Gruft gesenket, Bei dem Klang der Trauerglocken.

Selig wohl sind Blavas Mauern, Welche Stadt in ihrem Schoße Hat so hohen Gast empfangen, Trost dadurch und Schutz gewonnen.

Da um Roland nun die Klage, Nach vollbrachtem Seelenopfer, Nach vollbrachtem Totendienste, Wieder sich erheben wollte,

Sprach der gottgeweihte Bischof Laut die trostesreichen Worte: „O wie sollte, Klag' anstimmend, Uns um den zu weinen ziemen,

Welcher selig im Bezirke Wohnet schon des Paradieses? Glänzend wohl und ruhmgezieret War er, als er wallt' hienieden,

Doch noch heller jetzo schimmert Hoch er über den Gestirnen. Denn in seines Herzens Tiefe War ja Gottes Wort geschrieben;

Heiter war er, fromm und bieder, Allen er ein Vater schiene, War der Ehre Licht und Gipfel Und des Rittertumes Zierde.

Drum so wendet nicht die Blicke Zu dem Sarge, wo mit nichten Ihr noch könnt den Edlen finden, Der jetzt schon hinaufgestiegen

Ist zu jener Burg des Himmels.“ – Also lauten jenes frommen Bischofs Worte voll des Trostes. Manche Helden sie begruben,

Da Roland bestattet worden, Heimwärts ziehend jetzt die Christen An viel gottgeweihten Orten. Bei Belinum ward begraben

Oliver und Galdebode, Dän' Ogier und Arastagnus Mit Guarin und andern Toten. Selig ist auch dieses Städtchen

Wo so große Helden wohnen! Bei Bordeaux sind dann begraben, Ruhend in Sevrines Dome, Sankt Reinhold und Engelerus,

Mit Gayfer' und den Genossen. Durch Toulouse war indessen Der Burgunden Schar gezogen, Auf dem Aylisfeld bei Arles

Lagern sie sich mit den Toten, Wo auch jene sind begraben, Die durch Gottes Hand gestorben, Da die Schlacht war bei Garzime,

In der Kirche eingeschlossen; Da begruben die Burgunden Klagevoll nun ihre Toten. Herzog Naymes auch von Bayern

Ruhet mit auf dem Kirchhofe. Viele Lande schenkte Karol Dort zu Blava nun dem Dome, Seinem Roland all' zu Liebe,

Viel des Silbers und des Goldes, Manche Gaben, Rechte stiftend, Mit dem einzigen Gebote, Daß sie künftig keinem andern

Ihre Dienste leisten sollen, Einzig für den Roland betend Und für seine Kriegsgenossen. Auch am Tage seines Leidens

Sollen jährlich, wird geboten, Dreißig Arme schön bekleidet Und bewirtet sein im Kloster; Daß des Rolands sie gedenken,

Der den Armen hat geholfen. Dreißig Messen und Vigilien, Samt den andern Zeremonien Heil'ger Trauer sind gestiftet

Zum Gedächtnisse der Toten, Rolands und der Kriegsgenossen, Die den Märterkranz erfochten Auf den spanischen Gefilden,

Streitend für die Ehre Gottes.

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