Einsam in der Felsenhöhle,
Tiefen Ernst in keuscher Seele,
Wohnte Phöbus Priesterin.
Oft, in stiller Nächte Hüllen,
Nahte sich der Gott Sibyllen,
Zu erleuchten ihren Sinn.
Staunend fiel sie vor ihm nieder,
Ihr erschauerten die Glieder,
Die der hohe Gast durchdrang.
Und sie öffnete die Lippen,
Und es schollen rings die Klippen
Von prophetischem Gesang.
Auf geweihte Palmenblätter
Grub sie dann den Spruch der Götter,
Von Apoll ihr offenbart.
Vieler Menschen Söhne kamen,
Fragten, lasen, und vernahmen,
Was der Zukunft Schooß bewahrt.
Aber öfters fuhr der Flügel
Eines Sturmwinds, trotz dem Riegel
Ihrer Pforte, durch die Gruft,
Ach, und riß die leichten Blätter
Ohne Schutz und ohne Retter
Sausend in die öde Luft.
Die Prophetin, unbekümmert
Um ihr Werk, vom Sturm zertrümmert,
Haschte keines je zurück.
Wer von ihr in bangen Nöthen
Trost gehofft und Trost gebeten,
Fluchte dann auf sein Geschick.
Weisheit läßt mit sich nicht scherzen;
Menschen, haltet fest im Herzen
Die Orakel der Vernunft.
Weh, wenn vor der Lüste Toben
Maß und Ordnung weggestoben!
Hoffet keine Wiederkunft.