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1807

Lob der Thränen

August Wilhelm Schlegel

Laue Lüfte, Blumendüfte, Alle Lenz- und Jugendlust; Frischer Lippen

Küße nippen, Sanft gewiegt an zarter Brust; Dann der Trauben Nektar rauben;

Reihentanz und Spiel und Scherz: Was die Sinnen Nur gewinnen: Ach! erfüllt es je das Herz?

Wenn die feuchten Augen leuchten Von der Wehmuth lindem Thau, Dann entsiegelt,

Drin gespiegelt Sich dem Blick die Himmels-Au. Wie erquicklich Augenblicklich

Löscht es jede wilde Glut! Wie vom Regen Blumen pflegen, Hebet sich der matte Muth.

Nicht mit süßen Wasserflüßen Zwang Prometheus unsern Leim. Nein, mit Thränen;

Drum im Sehnen Und im Schmerz sind wir daheim. Bitter schwellen Diese Quellen

Für den erdumfangnen Sinn, Doch sie drängen Aus den Engen In das Meer der Liebe hin.

Ew'ges Sehnen Floß in Thränen, Und umgab die starre Welt, Die in Armen

Sein Erbarmen Immerdar umflutend hält. Soll dein Wesen Denn genesen,

Von dem Erdenstaube los, Mußt im Weinen Dich vereinen Jener Waßer heil'gem Schooß.

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Lob der Thränen · August Wilhelm Schlegel · Poetry Cove