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1805

Lied

August Wilhelm Schlegel

Eine holde süße Kranke Ist mein stätiger Gedanke. Milde Sonne, laß dich schauen! Haltet inne, rauhe Lüfte!

Gieße deine Balsamdüfte, Frühling, auf Toscanas Auen. Grüne Lauben will ich bauen, Daß sie nicht im Sturme wanke,

Diese Blume, diese Kranke. Ach, es wechselt auf den Wangen Liljenbläß' und Glut der Rosen. Wag' ich's, ihnen liebzukosen,

Unter Ahnden, unter Bangen? Darf sich schmiegen mein Verlangen, Innig, wie des Epheu's Ranke, Um die lieblich blüh'nde Kranke?

Deine Stimme flüstert leise, Dem Gesange sonst vertraut; Aber Eines Wortes Laut Haucht sie doch in Flöten-Weise.

Dieses Wort, des Kraft ich preise Vor der Götter Nektartranke, Liebe heißt es, liebe Kranke. Aus der Wimpern Schatten strahlen

Laß mir deine dunkeln Augen; Laß von deinen Lippen saugen Bange Wonn' und süße Qualen. Einmal noch! zu tausendmalen!

Bis ich bebe, bis ich schwanke, Und im Sehnen selbst erkranke. Unbeklommen wird sich heben Bald die liebevolle Brust,

Fühlt sie nur ein Theil der Lust, Die sie kann in Fülle geben. Alles Heil soll dich umschweben, Der ich neues Dasein danke,

Nina, meine holde Kranke!

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Lied · August Wilhelm Schlegel · Poetry Cove