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1806

Kleomenes an Chariton

August Wilhelm Schlegel

Eine blinkende Phiale, Vollgeschöpft in Delphi's Quellenthale, Gieb für meinen Trauten mir, Apoll, Süßen Lobes schäumend voll!

Süßen Lobes, das sein Herz belebe, Das ihm schmeichelnd um die Sinne schwebe, Süßen Lobes, wie Apoll es giebt, Ist er werth, den meine Seele liebt;

Dem ich schon mit Sehnsucht angehangen, Eh mein Arm ihn noch umfangen, Eh mein Mund den Gruß ihm bot „Dein und treu bis in den Tod!“

Eh noch milde, wie des Westes Fächeln, Mir entgegen kam sein Lächeln; Eh sein Blick voll Seelenglut Brüderlich auf meinem Blick geruht.

Götterliebling! alle Charitinnen Leiten dich bei jeglichem Beginnen; Dich erzog mit mütterlichem Sinn Suada selbst, die Herzenslenkerin;

Lehrte dich das zauberische Flüstern, Welches kühner Liebe heischt, Mit der Schüchternheit verschwistern, Die der Spröden Hochmuth täuscht.

Ja, noch darfst du mit der Weisheit hadern, Muth der Jugend schwillt in deinen Adern, Deiner Scheitel ziemt ein Rosenkranz, Und die Horen laden dich zum Tanz!

Lausche noch in Paphos Myrtenlauben Dem Gegirr von Venus Tauben! Irre, frei von Zwang und Band, Durch des Reizes und der Anmuth Land!

Mag doch manche flatterhaft dich schelten! Welcher Zauber feßelt das Gefühl? Amors Macht beherrscht die Welten, Und verliebte Schwüre sind ihm Spiel.

Freundschaft nur entzündet reines Feuer, Ewig wie der Vesta Glut: Hüllet nicht, besorgt vor Wankelmuth, Liebe sich so gern in ihren Schleier?

Kennst du das Gestirn der Tyndariden? Längst schon ruht das Heldenpaar im Frieden, Aber ihren nie zertrennten Bund Macht der Himmel selbst noch kund.

Dieß Gestirn soll unsre Bahn erhellen, Unser Führer sein in Sturm und Wellen, Unsre Lust in linder Sommernacht, Wenn es hell am blauen Himmel lacht.

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