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1806

Der welke Kranz

August Wilhelm Schlegel

Es war noch Mai, da hast du sie gebrochen, In Blumen ausgesprochen, Selber Blüthe, Was blühend im Gemüthe

Schon sich regte Und heilig sich bewegte, Was kindlich, ach! der Freund so gerne hegte, Wenn sie ihr Herzchen legte

An das seine, Wo ich nun ewig weine. Die Veilchen sandte mir das Kind zum Zeichen, Die so mein Herz erweichen,

Daß die Augen Den Schmerz, den sie nun saugen, Nie vollenden, Sich oft noch zu ihr wenden,

Und finden welk den Kranz dann in den Händen, Wie der, hat sie, zu enden Früh erkoren, Sich unbewußt verloren.

Nimm hin die hohe, köstlich liebe Gabe, Das Einz'ge, was ich habe Von der Theuern, Ihr Bild mir zu erneuern,

Wenn in Thränen Dem Tode zu das Sehnen So gern entflieht des Daseins eitlem Wähnen. Doch erst laß mich in Thränen

Ganz versenken Das süße Angedenken! Uns, die in Lust des Todes Leben fanden, Kühn die Natur verstanden

In den Flammen, Wo Lieb' und Schmerz zusammen Uns verbunden, Uns sei die Stirn umwunden

Vom Zeichen, dessen Sinn wir längst gefunden. Denn blühten aus den Wunden Oft nicht Rosen, Uns schmerzlich liebzukosen?

Laß denn des Mädchens Schatten uns umschweben, Der Wehmuth hingegeben, Bis wir im Tode Eins noch inn'ger leben, Und dann dieß tiefe Streben

Ganz vereinet, Das lächelnd sich beweinet.

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