Skip to content
1806

Der Reim und die Poesie

August Wilhelm Schlegel

Ein Redner buhlte mit Sophistenschlingen Und Wortgespinnst, die Poesie zu fangen. Ihm galten nur die Worte, was sie klangen, Und eitel ließ er Wortgetändel klingen.

Da wandte sie vor seinem schlauen Dringen Sich zu des Rhythmus männlichem Verlangen; Mit reiner Inbrunst hielt er sie umfangen, Und beider Lust ward ein harmonisch Singen.

Der Redespieler härmte sich verlaßen, Ward bloße Stimme, doch nicht leer und nichtig: Es schien, daß Lieb' in jedem Laut noch keime. Nun wandelt Poesie in Mild' ihr Haßen,

Und sie vernimmt, ruft sie ihn nun sehnsüchtig, Echo des Sinnes, zarte süße Reime.

Cookies on Poetry Cove

We use cookies to remember your language preference and — only with your consent — to learn how Poetry Cove is used. You can change your mind any time.